Elion lag immer noch am Boden, trat einem der beiden Venatori die Beine weg und rollte sich schnell zur Seite, dann rammte er dem Gegner die Dolche in den Rücken. Sera hechte dem verbliebenen Feind  entgegen, tauchte unter seinem Schwerthieb ab und stieß ihren Dolch durch den Helm des Venatori in sein Ohr. Dorian war fast enttäuscht darüber, dass die Elfen für ihn nichts mehr übrig gelassen hatten. „Ihr macht keine halben Sachen, wenn es darauf ankommt, oder?“ Er stützte sich auf seinem Magierstab ab und überdachte ihre Lage.
„Und nun?“ Sera wischte ihre Waffe an der Kleidung des Getöteten ab, Elion tat es ihr gleich.
„Nun fragen wir uns, wo wir gelandet sind.“ Der Elf zog seine Jacke aus und versuchte sein Hemd auszuwringen.
„Wohl eher wann.“ Dorian durchsuchte einen der Venatori und fand den Schlüssel zum Verlies. „Damit kommen wir wenigstens weiter.“
„Wir waren im Thronsaal und ich hoffe, wir finden Alexius dort.“ Elion marschierte hinter Dorian her und legte eine Hand auf Seras Arm. Es tat gut sie zu spüren, sie gab ihm Zuversicht und er lächelte sie aufmunternd an. „Wir kommen hier raus.“
Sie eilten eine Treppe hinauf und kamen auf einer Art Wegkreuzung an, von der aus mehrere Türen abgingen, mit nichts weiter verbunden als Bodengittern, welche einen Blick in die Tiefe gewährten. Von zwei Seiten kam jeweils ein Venatori angerannt, aber auch diese starben binnen Sekunden und diesmal kam Dorians Feuerzauber zum Einsatz, der einen davon in eine lebende Fackel verwandelte. „Wenigstens haben wir genug Licht.“
„Ich mag Deinen Humor“, kicherte Sera.
„Eigentlich ist es egal, wo wir zuerst entlanggehen.“ Elion bog rechts ab und sie folgten weiteren Treppen, die wieder in die Tiefe führten.
„Ich hätte nicht gedacht, dass Schloss Redcliffe so ausgiebige Kerkergewölbe hat.“, staunte Dorian. Sie kamen in einen Raum, der mit Foltergeräten vollgestopft war. „Und die Fereldener nennen andere Barbaren. Interessante Einstellung.“
„Hier ist überall dieses rote Zeug.“ Sera machte einen Schritt zur Seite und hielt sich an Elions Arm fest. Ihr schien es ähnlich zu gehen, dass sie der Körperkontakt beruhigte.
„Es kommt aus den Mauern“, bemerkte Elion staunend. „Jedenfalls ist dies nicht der Weg zum Thronsaal.“
„Sollen wir umkehren?“ Dorian zwirbelte sich ratlos den Schnauzbart.
„Wartet! Hört Ihr das?“ Sera legte den Zeigefinger an die Lippen und lauschte mit den anderen.
„Da zitiert jemand Stellen aus dem Gesang des Lichts.“ Der Magier rümpfte die Nase und erneut stapften sie durch Wasser. „Das Gemäuer wird langsam durchlässig. Ist nur eine Frage der Zeit, bis es unter Wasser steht.“ Sie öffneten die Tür zu einem weiteren Kerkertrakt und es verschlug ihnen die Sprache, als sie Cassandra in einer der Zellen erblickten. Sie schien die drei erst nicht zu bemerken, wippte hin und her, während sie betete.
„Cassie, wir sind es!“ Elion klammerte sich an die Gitterstäbe und starrte sie fassungslos an. Sie hob den Kopf, ihre Augen leuchteten rot.
„Oh Scheiße. Sie hat das Zeug abbekommen, oder?“ Sera öffnete die Zelle. „Kannst Du uns verstehen?“
Die Sucherin erhob sich mühsam und presste sich dann ängstlich gegen die Wand. „Nein! Das kann nicht sein! Ihr seid tot!“
„Ganz ruhig. Wir leben und wir holen Dich hier raus.“ Elion hob beschwichtigend die Hände. „Wo ist Alexius?“
„Ja, wir wollen ihm den Arsch aufreißen!“, rief Sera voller Tatendrang.
Cassandra kam näher und beäugte die Gruppe misstrauisch. „Ihr seid es wirklich? Beim Erbauer!“
„Kommt mit uns. Wir werden das alles hier ungeschehen machen, aber dazu müssen wir den Magister finden.“ Dorians sanfte Stimme wirkte beruhigend.
„Nein! Lasst mich hier sterben.“ Die Sucherin fiel auf die Knie. „Ich konnte sie nicht retten. Sie starb in meinen Armen“, schluchzte sie. „Dira.“
Sera traten die Tränen in die Augen. „Nun hast Du die Möglichkeit, Dich an Alexius und seinen scheiß Venatori zu rächen .“
„Ich habe ihr nicht sagen können, dass ich sie liebe.“
Elion half Cassandra wieder auf die Beine. „Bald wirst Du es können. Dorian weiß, wie wir hier wieder rauskommen.“ Er warf dem Magier einen verzweifelten Blick zu, der sich noch verstärkte, als dieser ihm mit einem Schulterzucken antwortete.
Sera fand ein Schwert in einer unverschlossenen Truhe und reichte es der Sucherin. „Schieb' es ihm in den Arsch.“
Cassandras Gesichtszüge versteinerten und ihre Haltung straffte sich. „Gut, dann gehe ich mit Euch und zeige Euch den Weg zum Thronsaal. Vorher sollten wir nachsehen, ob Varric noch lebt. Ich hörte ihn vorgestern schreien. Oder war es vor einem Monat?“ Sie schritt durch einen Flur voran und sie gelangten in einen weiteren Raum voller Zellen.
„Die könnten hier halb Ferelden einbuchten.“ Elion hob die Hand. „Da singt jemand.“ In einer Zelle hockte Varric, zusammengekauert und ebenfalls gezeichnet vom roten Lyrium.
„He!“ Sera riss die Zellentür auf, nachdem Elion diese mit einem Dietrich geöffnet hatte, stürmte zu ihm hin und rüttelte an seinen Schultern. „Varric! Hilf uns!“
Er sprang in die Höhe und schrie: „Nein! Nein! Nein! Mich kriegt Ihr nicht unter!“ Dann erkannte er seine Freunde. „Wie kommt Ihr hierher? Ihr solltet tot sein.“
„Sind wir nicht, wie Du siehst. Komm mit uns, wir versuchen, das alles ungeschehen zu machen.“ Elion klopfte ihm auf die Schulter, auch wenn ihm nicht ganz wohl dabei war wegen des Lyriums.
„Ungeschehen?“ Varrics Lachen schlug in Hysterie um. „Sie sind tot und ich war nicht bei ihnen, um sie zu beschützen.“ Auch er weinte. „Meine Rosenblüte, mein Sonnenblümchen.“
Cassandra räusperte sich. „Wenn auch nur die geringste Wahrscheinlichkeit besteht, dass all dies hier nie geschieht, dann schwing Deinen Hintern aus der Zelle!“ Das wirkte und Varric wühlte sich durch eine Kiste, aus welcher er seine geliebte Armbrust Bianca holte.
„Los geht’s.“
„Wir müssen wieder hoch auf diese Wegkreuzung.“ Sie trabten allesamt hinter Elion her, der sich allerdings verlief.
„Ich dachte immer, Dalish hätten so einen guten Orientierungssinn“, schnauzte Sera ihn an.
„Erzähl' das allen, die sich im Wald verirrt haben und nie wieder gesehen wurden“, muffelte er zurück, aber dann erforderten weitere Venatori seine ganze Aufmerksamkeit. Cassandra prügelte auf ihre Gegner ein, die ihre grenzenlose Wut zu spüren bekamen.
„Fresst Dreck!“ Varrics Gesicht war hassverzerrt und Sera feuerte ihn weiter an.
„Ja! Das ist mein Zwerg!“
Nachdem er gegen einen der toten Gegner getreten hatte, seufzte er: „Nun geht es mir etwas besser.“
„Diese ewige Treppenlatscherei macht mich wahnsinnig“, maulte Sera, wieder stiefelten sie hinab in ein überschwemmtes Gewölbe und bahnten sich ihren Weg. Sie landeten abermals in einem Raum voller Zellen und in einer der hinteren entdeckten sie Großverzauberin Fiona, oder zumindest das, was das rote Lyrium, mit welchem sie überwuchert war, noch von ihr übrig gelassen hatte.
„Fiona? Was ist Euch widerfahren?“ Elion traute sich diesmal nicht die Gitter anzufassen und auch die anderen hielten sich fern. Die Großverzauberin drehte langsam den Kopf, sie litt fürchterliche Qualen und das Sprechen fiel ihr schwer, aber sie erzählte ihnen, was passiert war.
„Es ist erst ein Jahr vergangen und ganz Thedas ist verwüstet? Bei den Göttern!“, rief Elion fassungslos aus.
„Ihr müsst Leliana finden“, ächzte Fiona.
„Sie ist hier?“ Cassandra trat an das Gitter und stellte sich neben den Elf. Die Großverzauberin nickte lediglich.
„Wir wollen in die Vergangenheit zurückkehren, damit dies alles nie geschieht.“ Dorian tat die Magierin leid und er überlegte einen Moment, sie zu erlösen, scheute sich aber davor. So ließen sie Fiona zurück und bogen in einen anderen Gang ab. Noch mehr Foltergeräte und eine Mutter der Kirche, die vor ihren Augen starb.
„Das macht mich fertig.“ Sera lehnte sich gegen die Wand und sprang dann zurück. Wer wusste schon, wo das Lyrium als nächstes herauswuchern würde? Hinter der nächsten Tür verbarg sich eine Überraschung, denn sie störten einen Folterknecht bei seiner grausamen Arbeit. Die Frau, welche in Ketten von der Decke hing, kam ihnen bekannt vor.
„Leliana?“ Elion konnte erst nicht glauben, dass es sich bei der Frau mit dem totenschädelähnlichen Gesicht um die Meisterspionin handelte und erst als Cassandra verzweifelt an den Ketten riss, half er, ihre Freundin zu befreien.
Leliana kam taumelnd auf die Füße und wollte keine großartigen Erklärungen hören. „Wichtig ist, dass wir Alexius finden.“ Sie ging voraus und ließ Dorian stehen, der ihr einige Fragen gestellt hatte. Sie kämpften sich vor bis zu einem versteckten Anlegesteg.
„Das gibt’s doch nicht! Ich wusste nicht, dass in Schloss Redcliffe Boote festmachen können!“ Leliana hatte das Schloss während der Verderbnis schon einmal durchwandert, aber dieser Teil war ihr neu. Trotzdem führte sie die anderen zuverlässig in den Innenhof und nachdem zwei Risse geschlossen waren, kamen sie in die Vorhalle zum Thronsaal, der allerdings magisch versiegelt war.
„Wäre ja auch zu schön gewesen.“ Elion setzte sich erschöpft auf eine Treppe. „Und was jetzt?“
„Den Schlüssel suchen gehen.“ Dorian nahm neben ihm Platz. Sie beratschlagten kurz und hielten es für besser, zusammen zu bleiben. Nach drei Stunden kehrten sie mit den Bruchstücken des Schlüssels zurück.
„Treppauf, treppab, Venatori, wieder zurück, noch mehr dämliche Arschlöcher.“ Sera stützte sich müde auf Elions Schulter.
„Wenigstens können wir nun die Tür öffnen.“ Dorian aktivierte den Schlüssel und sie stießen erleichterte Rufe aus, als der Blick in den Thronsaal frei wurde.
„Na, dann mal los!“ Cassandra stürmte grimmig voran und wurde gleich darauf von einem Zauber zur Seite geschleudert.
„Alexius!“ Dorians Stimme zitterte leicht und er konnte nicht fassen, was er sah. Noch weniger, dass Leliana sich an den Magister herangeschlichen hatte und eine Person, welche neben ihm kauerte, hochriss, ihren Dolch am Hals des Mannes.
„Felix!“, schrie Alexius verzweifelt und alle starrten das haarlose Monstrum an, das sich in Lelianas Gewalt befand.
Dorian kämpfte gegen einen Würgereiz an. „Was habt Ihr mit Euren Sohn gemacht?“ Er starrte auf das, was einmal sein bester Freund gewesen war. Alexius hatte vergebens gehofft, dass der Älteste das Leben seines Sohnes retten würde und nun schien es ihm egal zu sein, was passieren würde.
„Erlöst ihn, Leliana.“ Elion schaute traurig mit zu, wie sie dem armen Felix die Kehle durchschnitt und Alexius war bereit zu einem letzten Kampf. Trotz ihrer Überzahl hatten sie Mühe, den Magister zu besiegen, der nun sterbend zu ihren Füßen lag.
„Kommt, lasst uns zurückkehren.“ Dorian, der neben seinem einstigen Mentor in die Hocke gegangen war und das Amulett an sich nahm, erhob sich langsam. „In einer Stunde habe ich herausgefunden, wie sein Amulett funktioniert.“
„Eine Stunde? Die haben wir nicht!“ Leliana blickte ihn voller Panik an. Ein markerschütternder Schrei ertönte, der sogar die Mauern erzittern ließ. Einige Steine fielen herab. „Der Älteste naht.“
„Wir werden sie aufhalten, solange wir können.“ Cassandra schaute Varric an, der ihr zunickte, dann gingen die beiden zurück in die Vorhalle und schlossen die Tür hinter sich.
„Das können wir nicht zulassen, Eli.“ Seras feuchte Augen glitzerten.
„Wir müssen, ma vhenan.“ Er umfasste ihre Taille und zog sie an sich.
Leliana nahm den Bogen und rief über ihre Schulter: „Ihr habt so lange Zeit, wie ich Pfeile habe. Macht schon!“ Dorian rann der Schweiß über das Gesicht, während er sich ganz auf den Zauber konzentrierte und auf das Amulett. Die Tür sprang auf und etliche Venatori sowie einige Dämonen stiegen über Cassandras und Varrics Leichen hinweg. Leliana gingen die Pfeile aus und sie kämpfte bis ihr ein Dolch in die Kehle gerammt wurde. All das sahen die drei, deren Augen voll Entsetzen geweitet waren, dann sog sie ein Riss abermals hinein in einen Zeitstrudel, der sie zwei Sekunden später wieder im Thronsaal ausspuckte, direkt vor Alexius und seinen Sohn Felix.
„Verdammtes Arschloch!“ Sera trat ihm zwischen die Beine und der Magister ging röchelnd zu Boden.
„Sera! Nicht!“ Elion deutete in den Saal und dort standen Cassandra, Varric und Leliana. Schon war die Elfe wieder in Bewegung und fiel ihrem zwergischen Freund weinend um den Hals.
„He, Butterblümchen, was ist los?“ Varric nahm sie in die Arme, während man Alexius abführte. „Es ist alles gut.“ Er streichelte ihr Haar. „Wir sind alle da.“
Sie blickte ihn glücklich an. „Ja, das seid Ihr.“

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