Alles stand bereit. Heiler, Decken, Tragbahren und vor allem etwas Warmes zu trinken. Die Reiter ließen sich Zeit und boten einen herzzerreißenden Anblick. Salis ritt voran und hielt ein Bündel Decken im Arm, dicht hinter ihr folgten Cassandra, William und die beiden Qunari. Dorian hatte seinen Schützling vom Vortag wieder an sich genommen, von dem man wieder nur den blonden Haarschopf sah, neben ihm ritt Annabelle und Hawke trug ein ähnliches Paket wie die Dalish Elfe, nur war es etwas größer. Die Wächter folgten mit ihren eigenen Kindern. Varric und der Bulle bildeten den Schluss mit zwei weiteren Kindern vor ihnen im Sattel.
„Beim Erbauer!“ Leliana stand neben Niin und fasste erschüttert nach deren Hand. Hinter ihr beeilten sich Soldaten, Handwerker und Bedienstete, um die Kinder von den Pferden zu heben. Salis hielt Zuckeröhrchen an und strahlte, als sie Josephine erblickte. Ihr Bündel reichte sie kurz hinab, um gefahrlos absteigen und die Botschafterin begrüßen zu können.
Deren Augen weiteten sich entsetzt, denn die Kleidung der Elfe war über und über mit Dreck und getrocknetem Blut bespritzt. Aber das war jetzt egal, sie fiel Salis um den Hals und das war alles, was zählte.
Die beiden standen da, als wollten sie einander gar nicht mehr loslassen. Josephine schmiegte ihre Stirn an die der Elfe und flüsterte: „Ma'arlath.“
„Ma vhenan.“ Salis küsste sie leidenschaftlich und Josephine murmelte in einer Atempause: „Meine Eltern ...“, bevor ein weiterer Kuss ihre Lippen versiegelte.
Yves räusperte sich verlegen, während Kinder und Ehefrau grinsten und vor sich hin kicherten. Seine Tochter war eigentlich berüchtigt für ihre zurückhaltende Art, aber was er hier sah, überraschte ihn doch sehr. Er lächelte in sich hinein, drehte sich zu seiner Frau um und flüsterte: „Das erinnert mich an ein gewisses junges Ding.“ Ein freches Lächeln umspielte seine Lippen.
Salis ließ sich das Bündel wieder geben und packte es unter Josephines neugierigen Blicken aus den Decken aus. „Guck' mal, ne Elfe.“ Sie hielt den Kleinen hoch und er schnappte sofort mit beiden Händen nach Josephines Nase. Leliana unterdrückte glucksend einen Lachanfall, Niin war weniger höflich. „Das ist Josie.“
Assan brabbelte: „Dosie.“
„Wir üben noch.“
Josephine starrte ihn fasziniert an. Der kleine Elf hatte rotblondes kurzes Haar, das ihm nun abenteuerlich in die Höhe stand. Seine Wangen zierten einige Sommersprossen. „Ein ganz Wilder, was?“
Salis lachte. „Er macht seinem Namen, der übersetzt 'der Pfeil' heißt, alle Ehre. Der ist schneller, als man denkt. Wenn Du ihn auf den Boden stellst, rennt er los wie von einer Bogensehne abgeschossen.“ Ihre Mundwinkel zuckten verräterisch, als sie hinzufügte: „Und er sucht sich immer das hervorstechendste Merkmal eines Menschen. Irgendwie scheint ihn das zu fesseln.“
Josephine nuschelte, während Assan ihr die Nase zuhielt: „Nas is nieeech nustig.“ Sie zog den Kopf sachte zurück und der kleine Elf ruderte vergebens mit den Armen, um sie zu erreichen. Er machte ein böses Gesicht. „Sehen wir erst einmal zu, dass wir alle Kinder ins Hauptgebäude bekommen und jedem ein Bett geben.“ Ihre praktische Ader siegte, wenngleich Salis mit Assan auf dem Arm,  ein solch nettes Bild abgab, dass sie sich schwer von diesem Anblick lösen konnte.

William und Annabelle wurden verhalten von ihren beiden Sprösslingen begrüßt. Josephine hatte diesen gesagt, was mit den Kindern der Wächter passiert war und die beiden hatten verstanden, dass überschwängliche Freude bei der Begrüßung die verwundeten Seelen nur noch mehr peinigen würde.
Die beiden Qunari standen unschlüssig neben ihrem Pferd, bis Cassandra ihnen zuwinkte, ihr zu folgen. Hawke ging hinterher mit dem recht munteren dreijährigen Mädchen an der Hand, Dorian trug seinen Schützling Nicholas, der immer noch Fieber hatte.
Alina und ihre Freunde beobachteten die „Neuen“. „Guck' mal, der hat ja Hörner“, flüsterte sie Nathaniel zu, als Naraan an ihnen vorbeiging. Der Qunari Junge schielte eingeschüchtert in ihre Richtung, die Hand seiner Schwester auf seiner Schulter beruhigte ihn. Wie bei allen Kindern, so war auch seine Kleidung schmutzig. Er schämte sich und die Tränen standen in seinen Augen.
Cassandra bemerkte es, als sie sich umdrehte, um nachzusehen, ob ihr auch alle folgten. Sie blieb stehen und wartete auf ihn. Eine zweite Hand legte sich auf seine andere Schulter und er fragte: „Kann ich anderes Hemd haben?“ Er zog an der Knopfleiste des Kleidungsstückes, es stank nach Erbrochenem.
Die Sucherin lächelte. „Ich glaube, wir alle brauchen ein Bad und neue Sachen. Schau mich an, ich sehe aus, als wäre ich tagelang durch den Schlamm gekrochen.“
Aber Naraan erkannte sehr wohl das Blut auf dem Stoff ihrer Ärmel, dennoch sagte er nichts und sie fuhr fort: „Seht Ihr das Zelt dort? Das sind Badegelegenheiten, dahinter befinden sich die Latrinen und nebenan die Duschen. Alles immer noch sehr provisorisch. Das große Badehaus wird gerade gebaut.“
In der Tat hatte für Meister Gatsi und seine Steinmetze das Unterbringen aller in warmen Räumlichkeiten oberste Priorität. Nachdem dies gewährleistet war, konnte man an ein wenig mehr Komfort denken.

Leliana hatte Ser Aclassi herbeiholen lassen und wartete mit ihm zusammen im Schlafsaal auf die Kinder. Zu seiner ersten Amtshandlung als Schneider der Inquisition gehörte es, die Maße der Schützlinge zu nehmen, damit diese mit neuer Kleidung eingedeckt werden konnten. Sie sollten sich nicht mit stinkenden Sachen an den Esstisch setzen müssen.
Bedienstete brachten Handtücher und frisches Bettzeug herbei. Alle waren eifrig bei der Sache, damit es den Kindern bald wieder etwas besser ging. Zuerst wurde das Bett für Nicholas hergerichtet, den Dorian vorsichtig ablegte. Zusammen mit einer Heilerin wusch er den Jungen notdürftig, versorgte erneut die Wunden und kleidete ihn in ein Nachthemd.
Nicholas öffnete die Augen und sah den Magier aus Tevinter dankbar an. Dem Jungen stiegen die Tränen in die Augen und alsbald schüttelte ein Weinkrampf den schwachen Körper, den Dorian auch durch seine Umarmung und leise Worte nicht so schnell stoppen konnte. Dem sonst so abgeklärten Mann zerriss es das Herz. Nie zuvor hatte er sich so sehnlich gewünscht, einem Menschen den Schmerz nehmen zu können.
Annabelle setzte sich neben ihm auf die Bettkante, streichelte Dorians Arm und lächelte ihn aufmunternd an. Danach tastete sie über Nicholas Stirn, schob sein nasses, verschwitztes Haar sanft beiseite. „Das Fieber geht runter.“
Der Magier atmete erleichtert auf und schaute dabei zu, wie Krems Vater sich die Maße aller Kinder notierte, um in der Kleiderkammer des Quartiermeisters auf die Suche zu gehen. Der sonst so mürrische Koch schleppte mit großem Eifer zwei große Platten mit Broten und Fleisch herbei, seine Küchenhilfen eilten mit Obst und einem Teller voll Kuchen hinterher.

Ataash betrachtete die Bemühungen der Leute um sie herum mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite war sie froh, dass ihr nun die Verantwortung abgenommen wurde, auf der anderen schlich sich Angst in ihr Unterbewusstsein.
Sicherlich würde man sich um die beiden Kleinkinder reißen, sie waren hilflos und niedlich, aber was würde aus ihr und Naraan werden? Zwei Qunari, weitab der Heimat, in der sie bloß Verbrecher waren, die sich vom Qun abgewandt hatten. Sie ging vor die Tür und setzte sich mit einem dampfenden Tee alleine an einen der Tische vor dem Kücheneingang.
„Wau! Die sind aber groß.“
Ataash fuhr erschrocken herum und starrte einer Elfe ins Gesicht, die eine merkwürdige Frisur trug, als hätte sie sich ihre blonden Haare mit dem Messer zugeschnitten. Nichts war symmetrisch an diesem Haarschnitt und ihr Gegenüber musterte sie interessiert. „Wa … was ist groß?“, fragte die Qunari irritiert.
„Die Hörner! Bei Andrastes Arsch, die sind wirklich beeindruckend.“ Sera schwang sich auf den Stuhl gegenüber, beugte sich nach vorne und stützte sich mit beiden Ellenbogen auf den Tisch. „Graue Wächter, hm?“
„Unsere Eltern sind … waren ...“ Ataash schluckte. „Wir sind keine.“ Sie gab sich alle Mühe, ihre Tränen zu unterdrücken.
„Entschuldige“, Sera machte ein trauriges Gesicht. „Ich weiß, wie das ist.“
„Könntest Du mich bitte alleine lassen?“, die Qunari wollte jetzt keine Fragen beantworten.
„Nee, das zieht Dich nur weiter runter.“
Die Weigerung dieser lästigen Elfe sorgte in Ataash für wachsende Verärgerung. Sie lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Zurück starren konnte sie auch. Sera kicherte. „An Euch Qunari Frauen ist viel dran.“
Die Angesprochene lief rot an. „Bist Du immer so direkt?“
Die Elfe zuckte mit den Schultern. „Warum groß drumherum quatschen? Das hält nur unnötig auf. Sag' mal, werden die Hörner Deines Bruders mal genauso groß wie die des Bullen?“
Ataash bemühte sich um Höflichkeit. Es machte sicherlich keinen guten Eindruck, wenn sie die Elfe jetzt in die nächstbeste Latrine stopfen würde. „Nein, so ausladend werden sie zum Glück nicht.“ Sie runzelte die Stirn. „Was … äh … machst Du hier?“
Sera schmunzelte geheimnisvoll. „Helfen, so gut ich kann. Ich will diesen Coryblähus endlich in die Eier treten.“
„Corypheus.“
„Sag' ich doch: Corydumpfus.“
„CORYPHEUS.“
Die Elfe schnaufte angenervt. „Ich weiß, wie der Arsch heißt, aber er hat es nicht verdient, dass ich seinen Namen korrekt ausspreche.“ Josephine kam gerade die Treppe hinunter. Sie und ihre Geschwister hielten Pakete in Händen und liefen an ihnen vorbei. „Yvette ...“ Sera schmachtete der jungen Antivanerin verstohlen hinterher.
Ataash grinste belustigt. „Ist die mit der Botschafterin verwandt?“
„Yvette Montilyet.“ Sera ließ sich den Namen regelrecht auf der Zunge zergehen. „Jüngster Spross der Familie.“ Ein Seufzen folgte. „Beim Erbauer, was für ein Hintern!“
Die Qunari schüttelte zweifelnd den Kopf. „Warum sabberst Du nicht jemandem hinterher, der weniger auf dem hohen Ross sitzt?“
„He! Ich sabbere nicht!“, Seras flache Hand landete auf dem Tisch und verschüttete damit einen Teil von Ataashs Tee, die schnell die Tasse an sich nahm.
„Du gaberst wie ein Mabari, wenn es Futter gibt.“
Die Elfe zog einen Schmollmund. „Gar nicht wahr.“ Sie überlegte. „Oder doch?“
Die Qunari trank in aller Ruhe ihren Tee, ließ den Blick durch die Festung schweifen und beobachtete die hibbelige Elfe dabei, wie diese ein unflätiges Wort in den Tisch schnitzte. „Wie heißt Du eigentlich?“
„Sera. Und Du?“
„Ataash. Und da oben kommt mein Bruder Naraan.“ Sie deutete auf die Eingangstür der Küche.
„Ihr Qunari habt wohl eine Vorliebe für langgezogene As?“
„Hä?“
Ataaaaaaaash, Naraaaaaaan. Wie heißt Ihr mit Nachnamen?“
Die Qunari lachte laut und tief. „Adaar.“ Seras seltsame Art munterte sie auf. Naraan setzte sich einfach an ihren Tisch und hielt seiner Schwester wortlos einen Apfel hin. Er war froh, dass er ein neues Hemd bekommen hatte und man sah es ihm an.
Die Elfe beäugte ihn genau und war geradezu entzückt von seinen Hörnern. Sie würden einmal l-förmig nach vorne wachsen, der Bogen war schon zu sehen, aber noch waren die Enden abgerundet und nicht so spitz wie bei seiner Schwester. Sich selbst hatte er ebenfalls einen Apfel mitgebracht und die beiden verspeisten das Obst gierig. „Es gibt Kuchen.“ Naraan fragte sich gerade, wo er die Reste des Apfels entsorgen sollte, da schubste ihn seine Schwester an und machte ihn auf einen Eimer aufmerksam, in welchem der Müll entsorgt werden konnte.
Im Gegenzug knuffte er seine Schwester in die Seite und bedeutete ihr mit einer Kopfbewegung, zum Lager der Kampfmagier zu schauen. Dort kamen die Kinder aus den Zelten und hielten Kleiderbündel in den Armen. Niemand der Erwachsenen hatte es ihnen gesagt, aber sie fanden, dass sie ihre Sachen mit den anderen teilen sollten.
So blieb denn auch Cassandra angewurzelt stehen, als sie sah, wie die kleine Karawane sich in ihre Richtung in Bewegung setzte. Sie lächelte erfreut und rief William herbei, der vor Stolz auf seinen Sohn den Brustkorb hob. „Mein Junge“, er schmunzelte glückselig.
„Morrigans Sohn hat sich auch nicht lumpen lassen. Kieran sieht kaum, wo er hintritt.“ Die Sucherin winkte die Kinder hinein und sie legten alle Sachen auf dem großen Tisch in der Raummitte ab. Nun waren die Neuankömmlinge fürs Erste versorgt. Später würde man in den Unterkünften der Wächter in Montsimmard ihr Hab und Gut einsammeln gehen.

Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, trafen sich die beiden Beraterinnen der Inquisition mit Salis, Varric, Hawke, Cassandra und dem Bullen im Ratsraum. Dorian wich seinem Schützling nicht von der Seite. Noch immer hatte niemand Zeit gehabt, an ein Bad oder ans Umkleiden zu denken und die Kleinkinder wurden kurzerhand einfach mitgenommen. Assan flitzte gleich durch den Raum, kaum da die Dalish Elfe ihn abgesetzt hatte und sorgte für auflockernde Heiterkeit.
Salis nahm müde auf einem Stuhl Platz, wartete bis die anderen ebenfalls saßen und erzählte genau, was in Adamant und im Nichts passiert war. Zwischendurch nahm sie Assan wieder auf den Arm. Dann war es an Leliana, den anderen vom Sklavenhandel und dem Abbau des roten Lyriums zu erzählen. Sie hatte ihre Spione ausgesandt, um Lord Levevre eine Falle zu stellen. Den Sklavenhändler in Val Royeaux konnten sie zur Mitarbeit überreden, denn die Aussicht auf den Galgen erschien ihm weniger erstrebenswert.
In der Zwischenzeit galt es, die Grauen Wächter zu beherbergen, aber auch dafür wusste Leliana eine Lösung. Sie hatte König Alistair kontaktiert, der sich mit den Wächtern Fereldens in Vigils Wacht befand. Auch dort war es zu einer Revolte gekommen und die Hälfte der Schwestern und Brüder hatte dem Ruf nicht widerstehen können. Die Reihen mit den Wächtern von Orlais aufzufrischen schien allen Seiten eine gute Lösung zu sein. Alistair befand sich bereits auf dem Weg zur Himmelsfeste.

Nach dem Ende der Besprechung reichte Salis den kleinen Elfen an Josephine weiter, die genauso einen Narren an dem Kleinen gefressen hatte. Die Elfe spürte, was ihre Verlobte bedrückte und drängte darauf, dass die Botschafterin das Gespräch mit ihren Eltern möglichst schnell hinter sich brachte.
Yvette sorgte dafür, dass sich die Familie in der Taverne traf und auf Josephines Bitte hin begleitete sie Leliana, die ohnehin fast zu den Montilyets gehörte. Als alle am Tisch saßen machte sich betretenes Schweigen breit. Assan war in Salis Armen eingeschlafen und Josephine räusperte sich, damit ihre Stimme nicht zu belegt klang. „Wie konntet Ihr mich nur mit Lord Otranto verloben?“
Ihr Vater beugte sich vor, ihm war sein Unbehagen anzusehen. „Es ist nicht so, wie Du denkst. Wir wollten Dich und Lady Lavellan nicht entzweien ...“, er runzelte die Stirn und rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her. „Als wir hörten, was in Haven passiert war, hatten wir Angst um Dich. Wir wussten aber auch, dass wir Dich nicht hätten überreden können, zu uns zurückzukehren. Dazu bist Du einfach zu pflichtbewusst. Die Verlobung erschien uns die einzige Möglichkeit, Dich zur Rückkehr nach Antiva zu bewegen.“
Josephines Mund stand einen Moment lang entgeistert offen bis sie sich wieder unter Kontrolle hatte. „Ihr habt das gar nicht wegen Salis getan?“ Tränen liefen ihre Wangen hinab. „Und ich dachte …“ Sie schluchzte, Salis gab Assan an Leliana weiter, legte ihren Arm um die Botschafterin und streichelte ihre Wange. „Ich habe gedacht, Ihr wollt mein Glück zerstören, weil Ihr unsere Liebe nicht akzeptieren könnt.“
Madame Carla  rückte ihren Stuhl zu ihrer Tochter heran und nahm deren Hand, welche verkrampft auf dem Oberschenkel ruhte, in die ihre. „Wir wussten nichts von Dir und dem Inquisitor.“ Ein vorwurfsvoller Blick traf ihre Kinder, die allesamt bestens informiert waren, weil sie sich regelmäßig untereinander schrieben. „Wenn wir davon erfahren hätten, wäre diese Verlobung nie zustande gekommen.“
„Mit der Inquisition als offiziellem Adressaten wolltet Ihr also erreichen, dass man Josephine wieder in ihre Heimat schickt?“ Salis fühlte sich trotz der Empörung erleichtert. Die Verlobung war also nur ein Mittel gewesen, um Josephine irgendwie aus der Gefahrenzone zu locken.
„Ja, wir hatten das Gefühl, etwas tun zu müssen.“ Yves knetete seine Hände auf dem Schoß.
„Genau wie ich.“ Die Botschafterin holte tief Luft. „Ich musste das Richtige tun und bei der Inquisition zu bleiben, ist das Richtige.“ Sie gab Salis einen demonstrativen Kuss aufs Ohr, sollten ihre Eltern doch denken, was sie wollten. „Wir sind das letzte Bollwerk zwischen Corypheus und Thedas Untergang.“ Ihre Verlobte wurde mit einem weiteren Kuss bedacht. „Außerdem ist mein Platz an Salis Seite.“
„Das wissen wir nun, mein Schatz.“ Carla hatte die Hand nicht losgelassen und drückte sie fest.
Leliana stand auf und ging mit Assan an den Nebentisch zu Niin und Varric. Die Familienunterredung dürfte noch eine Weile dauern, es wurde laut diskutiert. Nicht wegen der Beziehung, sondern wegen der Hochzeitsvorbereitungen. Heiraten auf antivanisch.
Die Meisterspionin lächelte und schaute den kleinen Elfen verzückt an, während Niins Hand sachte über seine feinen Haare strich. Assan gab vor Wonne einen Pups von sich und dann wurde Lelianas Arm warm. Sie blickte Niin entsetzt an, aber diese meinte nur lachend: „Wau! Der wacht dabei noch nicht mal auf!“
Varric musste sich die Hand vor den Mund halten und biss sich auf den Zeigefinger, um nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. „Der hat Nerven.“

Die allgemeine Schlafenszeit wurde in der gesamten Feste reichlich früh eingeläutet. Salis und Assan waren auf dem großen Bett eingeschlafen, von Josephine zugedeckt. Die Botschafterin setzte sich auf eine Couch, die sie in Redcliff bei einem Schreiner entdeckt hatte, und beobachtete die beiden. Ihre beiden.
Dorian machte es sich im Schlafsaal auf einem Feldbett bequem. So hatte er Nicholas immer im Blick. Er grübelte die halbe Nacht darüber nach, wie er dem jungen Magier helfen konnte. Mittlerweile wusste er, dass dessen Eltern am Ritualturm ums Leben gekommen waren, als sie mitansehen mussten, wie ihre Schwestern und Brüder an den Spähern der Wächter zu Mördern wurden. Sie griffen ein und bezahlten diesen Mut mit dem Leben.
Es war ein merkwürdiges Gefühl, dass Cassandra auf der anderen Seite des Raumes schlief, ebenfalls auf einem Feldbett. Sie verzichtete auf die erste Nacht mit William seit langem, genauso wie er selbst auf sein Stelldichein mit dem Bullen. Dorian grinste im Halbdunkel. Die Sucherin hatte nicht viel gesagt, sondern einfach ihr Bett aufgebaut.
Hawke saß noch am Tisch und schrieb eine Nachricht an ihre Ehefrau Merrill. Ab und an schaute sie zum Bett, in dem das kleine Mädchen Elena lag, um welches sie sich kümmerte.
Ataash ging erst zu Bett, als die anderen Kinder eingeschlafen waren. Durch die fremde Umgebung lag sie eine ganze Weile wach, machte sich Gedanken. Wohin würde man sie bringen? Ihre Eltern hatten sich vor einigen Jahren getrennt. Wer konnte schon sagen, wo sich ihr Vater jetzt gerade befand? Sie wollte es nicht wissen.
William saß vor seinem Zelt am Feuer, trank seinen Tee und dachte nach. Das Knacken eines dicken Astes ließ Funken in die Höhe schießen und er schreckte aus seinen Gedanken. Es wurde Zeit, dass er schlafen ging. Vorhin hatten sich alle geduscht oder gebadet. Salis war in der Wanne eingeschlafen und musste von Cassandra geweckt werden. Er lächelte und merkte, dass ihm ebenfalls gleich die Augen zufielen.

Dorian setzte sich zu Hawke, die gerade mit ihrem Brief fertig war. „Darf ich?“ Er deutete auf die übrig gebliebenen Blätter Papier und die Feder in ihrer Hand. Es war Zeit für einen Brief an seine Mutter, mit welcher er regen Kontakt hatte. Seine Nachrichten gingen immer an einen alten Freund, dessen Mutter die beste Freundin der seinigen war. Sein Vater durfte davon nichts erfahren.

Liebste Mutter,
ich hätte Dir schon lange schreiben sollen und möchte mich nicht in Entschuldigungen ergehen. Du hast sicher gehört, dass wir es uns in der Himmelsfeste recht moderat gemacht haben, so gut es geht. Ich hoffe, ich habe Dir mit den Schilderungen dessen, was in Haven passiert ist, keine Angst eingejagt. Doch, das habe ich sicher.
Mir geht es gut, keine Sorge. Wir kommen gerade aus Adamant, einer ehemaligen Festung der Grauen Wächter. Ich glaube, mir ist da erst wirklich klar geworden, dass Thedas ohne die Inquisition verloren wäre. Ich will mich jetzt auch nicht in Details ergehen, das ist unwichtig und ich bin zu müde für einen ausführlichen Brief, den ich aber sicher die Tage nachholen werde.
Nein, mir geht etwas durch den Kopf und ich muss es zu Papier bringen. Wir haben die Kinder einiger Grauen Wächter aufgenommen. Ihre Eltern sind tot. Einer dieser armen Würmer ist ein Junge namens Nicholas. Aus ihm wird sicher mal ein passabler Magier mit der passenden Anleitung. Ihm geht es schlecht, er hatte Fieber, ist verwundet und ich habe ihn zwei Tage lang getragen, gewärmt, gefüttert und gewaschen. Gefüttert nicht, weil er so klein wäre. Nein, es musste deswegen sein, weil er kaum die Kraft hatte, seinen Kopf zu heben. Er ist ein zehn Jahre alter Blondschopf.
Mutter, ich habe nie etwas von Bedeutung getan. Ich ließ mich treiben, erlebte allerhand Abenteuer, fand meine Rolle als Außenseiter auch noch hinreißend und anziehend. Bestätigt von zahlreichen Herren, denen ich die Herzen brach.
Das alles ist hier so weit weg, als wäre es gar nicht mein Leben gewesen. Wir tun Dinge, zu denen andere nicht fähig sind, wachsen über uns hinaus. Ja, ich habe hier viele Freunde gefunden. Wahre Freunde, die ihr Leben für mich geben würden, so wie ich das meine für sie.
Nun, vielleicht bin ich wirklich ernsthafter geworden? Ich weiß es nicht. Ich habe mich verliebt und zum ersten Mal denke ich nicht daran, einfach zu flüchten. Nein, diesmal sicher nicht.
Aber da ist noch etwas. Ich werde morgen zu Josephine gehen und die Adoptionspapiere für Nicholas ausfüllen. Ich habe es mir gut überlegt und ich wollte Dich ein wenig an meinen Gedanken teilhaben lassen. Und da ich nun fast einschlafe während des Schreibens, beende ich diesen Brief lieber, solange ich nicht wie ein kompletter Vollidiot klinge.

In Liebe
Dorian

In der Nacht kamen die Alpträume. Salis und Josephine wurden aus dem Schlaf gerissen, als Assan verzweifelt nach seiner Mutter rief. Die beiden Frauen waren den Tränen nahe und wieder dauerte es lange, bis der Junge sich beruhigte und anfassen ließ.
Auch Cassandras Schlaf endete abrupt. Sie, Dorian und Hawke schreckten hoch und versuchten die Kinder zu beruhigen. Zum Glück schliefen die drei Grauen Wächter ebenfalls hier und bekannte Gesichter milderten die Angst, aber leider nicht den Schmerz, der den Schützlingen ins Gesicht geschrieben stand. Ganz sachte legte sich Dorians Zauber über den Raum.

Am nächsten Morgen war Josephines Arbeitszimmer gut gefüllt. Nach einer ausgiebigen Besprechung mit den Kindern, die ja schließlich auch nach ihren Wünschen und ihrer Meinung gefragt werden sollten, standen etliche Leute um den Tisch der Botschafterin herum.
„Seid Ihr Euch sicher?“, fragte Cassandra ihre Freundin Salis. „Immerhin bedeutet so ein Kleinkind, dass man auf einen Großteil seines Privatlebens verzichten muss.“
Die Dalish Elfe lächelte nur. „Nachdem Assan wieder geschrien hatte, redeten wir die halbe Nacht darüber, während er dann zum Glück einschlief. Wir können den Raum in unserem Quartier, welcher wohl früher als Ankleidezimmer gedacht war, zum Kinderzimmer umbauen. Dann kann man auch einmal die Tür schließen, wenn der Kleine schläft.“ Sie zwinkerte Josephine kokett zu.
„In Eurer Hochzeitsnacht nehmen wir Assan zu uns, das versteht sich von selbst.“ Leliana schubste die Botschafterin grinsend von der Seite an. Sie wandte sich an Hawke. „Wird Eure Frau nicht aus allen Wolken fallen?“
Der Champion von Kirkwall lachte laut auf. „Merrill hat ein großes Herz für Streuner, Hilflose und all jene, die Schutz brauchen. Ich mache mir da weniger Sorgen.“
Josephine schaute Cassandra und William fragend an. „Ihr nehmt also die Qunari bei Euch auf?“
Die Angesprochenen nickten eifrig. „Auch wir haben uns darüber den Kopf zerbrochen.“ Der Magier lehnte sich gegen einen Pfeiler. Man sah ihm an, dass er nicht allzu lange geschlafen hatte. Es war noch dunkel, als es ihn wieder ans Lagerfeuer trieb und zu seiner Überraschung saß die Sucherin schon dort. Später gesellte sich Nathaniel zu ihnen und die Entscheidung wurde zu dritt gefällt.
Alle blickten Dorian an und es war ihm diesmal etwas unangenehm. „Nicholas braucht einen Mentor, jemanden der seine Fähigkeiten in die richtigen Bahnen lenken kann.“
„Eine große Verantwortung.“ Cassandra war nicht so richtig davon überzeugt, dass sich der divenhafte Tevinteraner zum fürsorglichen Vormund mausern könnte.
„Denkt Ihr nicht, dass ein Mensch sich ändern kann?“ Dorian verschränkte kämpferisch die Arme vor der Brust.
„Doch, das denke ich und wenn ich es mir recht überlege, dann habt Ihr das die letzten Tage gezeigt. Ihr habt Euch rührend um den Jungen gekümmert.“ Der Blick der Sucherin verlor jede Härte, als sie sah, dass die Augen des Magiers feucht wurden.
„Ich habe den kleinen Kerl in mein Herz geschlossen.“ Er räusperte sich verlegen.
Josephine lenkte von ihm ab. „Dann hätten wir ja alle Kinder bei Pflegeeltern untergebracht. Unser Koch und einer der Soldaten, die Euch begleitet hatten, sind ebenfalls bereit, ein Kind aufzunehmen.“ Zufrieden schob sie den Papierstapel der Adoptionsanträge in einen Umschlag.

Leliana und Niin kamen in das Zimmer, sie trugen die beiden Kleinkinder, die so lange in der Haupthalle gespielt hatten, bis die Unterredung fertig war. Assan war von den langen Ohren der Stadtelfe total hingerissen und seine Fingerchen zogen ungläubig an ihren Ohrläppchen.
„Assan! Mach' sie bitte nicht noch länger“, tadelte Niin ihn lachend und reichte ihn an Salis weiter. Sofort machte der kleine Elf ein zufriedenes Gesicht. Leliana stand neben den beiden und so angelte er nach dem kleinen Zopf, den die Meisterspionin sich immer auf der linken Schläfenseite zu flechten pflegte.
„Lass Tante Lelianas Haare in Ruhe.“ Josephine schmunzelte und ihre beste Freundin schaute sie entsetzt an.
„Tante? Danke, jetzt fühle ich mich alt.“
„Och, Ihr seht noch recht rüstig aus, keine Sorge.“ Dorian zwinkerte ihr belustigt zu, dann wandte er sich an die Anwesenden. „Wir haben etwas zu feiern. Wie wäre es, wenn wir dem Weinvorrat der Botschafterin mal eine Flasche entnehmen würden?“
Josephine baute sich vor ihm auf. „Wenn auch nur eine Flasche fehlt, lass ich Euch den Brautstrauß fangen.“ Sie ging lachend hinaus in die Haupthalle.
Salis flüsterte Dorian feixend zu: „Das macht sie wirklich, glaubt mir.“
Assan langte nach dem Bart des Magiers und ein Schmerzensschrei entfuhr diesem: „Kaffas!“ Er wurde rot.
„Kann mir das mal einer übersetzen?“ Cassandra kratzte sich nachdenklich am Kinn.
„Scheiße“, murmelte William ihr zu.
Die Sucherin verdrehte die Augen. „Der wird sich nie ändern.“ Ihre Mundwinkel zuckten verdächtig als sie versuchte, sich ein Grinsen zu verkneifen.
„Was würdet Ihr rufen, wenn Euch jemand den halben Bart abreißt?“ Dorian stutzte. „Nein, wartet. Lasst es mich anders formulieren, bevor Ihr meine Familienplanung ins Wache Meer tretet.“ Die Umstehenden lachten ausgelassen, bis auf Cassandra, die ihn aus zugekniffenen Augen anblitzte.
Josephine klatschte in die Hände. „Wir haben noch viel zu tun. König Alistair wird heute eintreffen und wahrscheinlich auch unsere Truppen mit den Verletzten.“
Morrigan, die gerade mit Kieran auf der Empore entlang ging, beugte sich erschrocken über die Balustrade und rief: „Alistair kommt hierher?“
Leliana lächelte engelsgleich. „Er holt die Wächter ab und kommt in Begleitung.“
„Warum hast Du mir das nicht gesagt?“, fauchte die Hexe der Wildnis.
Die Meisterspionin zuckte arglos mit den Schultern. „Du warst zu beschäftigt mit Deinem Hintern.“ Ob ihr dieses Spielchen Spaß machte? Mit Sicherheit. Morrigan schmiss die Tür auf der anderen Seite laut ins Schloss.
„Ihr habt Euch gut amüsiert während der Verderbnis, oder?“ Dorian lachte Leliana an.
„Oh ja, absolut. Wir hatten uns so gerne, dass man uns öfter voneinander trennen musste.“
„Ihr habt Euch geprügelt?“ Cassandra war zwar etwas entsetzt, aber auch neugierig.
„Wir waren nicht gerade nett zueinander, belassen wir es besser dabei.“ Sie traten ins Freie. „Wir sollten einen Boten zu Cullen schicken.“
William, der hinter den Frauen hergegangen war, schlug vor: „Warum fragen wir nicht Annabelle, ob sie noch einmal einen Flug wagen könnte?“

Zwanzig Minuten später kreiste ein Rabe über der Festung und machte sich dann auf den Weg durch das Gebirge. Annabelle folgte dabei dem Weg hinab ins Tal. Das Fliegen machte ihr großen Spaß, besonders bei solch sonnigem Wetter. Leider erforderte die Verwandlung in ein Tier recht viel Lyrium, um die Magie zu verstärken, weshalb Templer sie damals überhaupt erst einfangen konnten. Der Vorrat war ihr schlichtweg ausgegangen.
Genau wie William, so hatte auch sie mit der Vergangenheit abgeschlossen, ändern konnte man nichts daran und wenn die Dinge anders gelaufen wären, dann gäbe es weder Alina noch Nathaniel. Darüber waren sich beide einig.
Schon nach einer Stunde erspähte sie den großen Tross an Ochsenkarren entlang des Handelsweges. Sie drehte einen Kreis, flog tief über Cullens Kopf hinweg und stieß einen Schrei aus. Das reichte, um seine Aufmerksamkeit zu erregen, er hielt das Pferd an und hob die Hand. Alles kam zum Stillstand, so dass sie gefahrlos auf dem Weg landen konnte.
Abermals staunten die Soldaten über die Verwandlung. Annabelle kam näher und schaute zu Cullen hoch. „Wir haben leider kein Pferd übrig, Ihr müsst Euch in einen der Karren setzen“, murmelte der Kommandant, aber die Magierin lächelte ihn an.
„Schon gut.“ Dann schwang sie sich einfach hinter ihn in den Sattel und er drehte sich entgeistert zu ihr um. „Fallt nicht vom Pferd, mein Lieber. Ich erzähle Euch unterwegs, was in der Festung vor sich geht.“
Cullen schmunzelte. „Wenn es Euch nichts ausmacht, dass ich seit Tagen nicht aus der Rüstung raus gekommen bin?“
„Ihr wirkt in der Tat ein wenig eingerostet.“ Ihr sympathisches Lachen ging ihm durch Mark und Bein, ebenso wie der Sinn ihrer Worte.

Krem und Lace hatten sich an das einschläfernde Geschaukel des Karrens gewöhnt. Sie saßen am Boden und während der Hauptmann sich gegen die Außenwand lehnte, hatte die Zwergin vor ihm Platz genommen. Auf ihrem Schoß lag Lucky, der kleine Mabari, und döste vor sich hin. Die beiden fanden, dass ihm der Name gut stand.
Die Aussicht, heute Nacht wieder im eigenen Bett schlafen zu können, hob die Laune des Leutnants erheblich, sie tastete nach hinten und strich sanft über Krems Wange. „Ich bin so müde, dass ich drei Tage lang durchschlafen könnte.“
Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter und murmelte: „Ich lasse mich stundenlang in der Wanne einweichen.“
„Nimm Lucky mit“, ihr Lachen weckte den Welpen, er gähnt, streckte sich und schaute sie unternehmungslustig an. Lace kraulte ihn mit der freien Hand.
„Von wegen Lucky. Ich nehm' Dich mit.“ Krem küsste ihr Ohr.
Cullen hatte sich auf Annabelles Bitte hin zurückfallen lassen und ritt nun neben dem Ochsenkarren her. Die Magierin hatte mit Leliana abgesprochen, den Hauptmann der Sturmbullen auf die Ankunft in der Himmelsfeste vorzubereiten, damit der Schock nicht zu groß war. Sie räusperte sich laut vernehmlich, um ihn von Lace abzulenken und endlich hob er mit fragendem Blick den Kopf.
„Es ist Besuch aus Tevinter eingetroffen und er hat sich entschlossen zu bleiben.“
Krem zog die Augenbrauen hoch und machte ein irritiertes Gesicht, also fuhr sie fort. „Jemand, den Ihr kennt.“
Lace spürte, wie sich der Körper des Hauptmannes straffte. Annabelle lächelte und entschied, ihn nicht länger auf die Folter zu spannen. „Euer Vater ist nun offizieller Schneider der Inquisition.“
„Krem Schatz?“ Die Zwergin drehte sich besorgt zu ihm um.
Er saß wie vom Donner gerührt da und starrte die Magierin mit offenem Mund an, unfähig auch nur einen Laut von sich zu geben. Lucky leckte ihm die Hand ab. Endlich bewegte sich Krem. Seine Arme umfassten Lace und er vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken. Die Zwergin spürte, dass er weinte und ihre Hände fuhren beruhigend über seine Beine.

„Nach so viel Leid nun also auch einmal eine gute Nachricht.“ Cullen seufzte, ihm steckte ein Kloß im Hals.
„Oh, es gibt noch mehr gute Nachrichten, Kommandant.“ Annabelle klammerte sich an ihn, als sein Pferd einen Satz voran machte.
„Fein, denn Ihr wisst ja, was man mit den Überbringern schlechter Neuigkeiten macht?“ Er war zu Scherzen aufgelegt.
„Tief in Euch versteckt sich also eine Prise Humor? Wer hätte das gedacht.“ Die Magierin prustete lachend in sein Genick und spuckte dann etwas Fell aus. „Warum trag Ihr eigentlich immerzu diesen riesigen Fellkragen? Das ist sehr unpraktisch, besonders, wenn man hinter Euch sitzt.“
„Den habe ich mir in Haven zugelegt, weil ich dort die meiste Zeit im Freien verbracht habe“, raunte er entschuldigend. „Und in der Himmelsfeste ist er ebenfalls sehr praktisch.“
„Aha.“ Annabelle liebte es, ihn zu necken. „Ich dachte, Ihr wollt dadurch größer erscheinen.“
„Wie?“ Er drehte sich zu ihr um und sah verärgert aus.
Die Magierin nahm ihm schnell den Wind aus den Segeln. „Das habt Ihr gar nicht nötig.“ Wieder lächelte sie ihn charmant an und er widmete sich brummend der Wegstrecke vor ihm.

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