„Kammwald sieht gar nicht mal so übel aus, wenn es nicht regnet“, bemerkte Salis, die auf Zuckeröhrchen neben einem der Ochsenkarren her ritt, in dem Cassandra, Dorian, Der Bulle, Niin und Krem saßen. Harding lag halb auf der Pritsche und halb im Arm des Hauptmannes.
Die Zwergin war in eine Decke eingewickelt und Krems linker Arm ruhte auf ihr. Sie stellte bekümmert fest, dass er seine Hand immer noch nicht bewegen konnte und er hatte deswegen die Knöpfe seiner Hemdsärmel heute morgen nicht zubekommen. Der Linke war hochgekrempelt, so dass der breite Verband zum Vorschein kam.
Hardings Hand strich sachte über seinen Unterarm und beide schauten sich an. „Das hat nichts zu bedeuten, klar?“, murmelte die Zwergin matt, ließ ihre Hand aber da, wo sie war.
„Wenn Du es sagst, Lace“, entgegnete Krem gelassen. Seine Stimme klang dunkel und wenn er ganz leise sprach, überschritt sie die Grenze von der Frau zum Mann. Harding mochte dieses tiefe Vibrieren, aber das behielt sie tunlichst für sich. Die beiden bekamen nicht mit, dass sich ihre Begleiter immer wieder gegenseitig anschubsten und schmunzelten.
Varric wollte sich nicht auch noch dazwischen drängeln, er hockte im Karren mit den Sturmbullen und Annabelle.
Nach einigen Kilometern rief Dorian, dessen Gesicht kreidebleich war, laut: „Inquisitor! Bitte lasst mich Euer Pferd reiten! Das Geschaukel macht mich seekrank.“
Cassandra rückte pikiert ein Stück von ihm weg und Niin tat es ihr auf der anderen Seite gleich. Zum Glück erbarmte sich Salis und überließ ihm Zuckeröhrchen. Erleichtert schwang sich der Tevinteraner in den Sattel, nur um kurz darauf wieder große Töne zu spucken. „So reist es sich doch gleich standesgemäß.“ Aber dann sprang er vom Pferd und übergab sich doch noch, begleitet vom schadenfrohen Applaus seiner Begleiter.
Salis, die nun zwischen den beiden Frauen saß, konnte sich eine entsprechende Bemerkung nicht verkneifen. „Ich sehe, Ihr lasst Euch das Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen, Dorian?“ Sie grinste ihn unverschämt breit an.
Am frühen Nachmittag traf die kleine Karawane in der Himmelsfeste ein. Schon seit einer Weile rutschte Niin nervös auf ihrem Platz herum und Salis Finger trommelten ungeduldig auf das Holz ihres Bogens, der griffbereit an ihrem Bein lehnte und den sie mit einer Hand festhielt.

„Na, da haben wir unsere beiden ja gesund und munter wieder.“ Leliana wippte angespannt auf den Zehenspitzen auf und ab. Sie trug immer noch die Rüstung ihrer Späher. Josephine stand neben ihr mit vor der Brust verschränkten Armen und wirkte aufgekratzt. Sie liefen zu den Ochsenkarren hin und kümmerten sich nach einer kurzen Begrüßung um Harding, welche die Fahrt verschlafen hatte. Dafür war sie nun umso wacher und so viel Aufmerksamkeit machte sie schnell übellaunig. Es war ihr peinlich. Krem hielt sie immer noch im Arm und hätte sie wahrscheinlich selbst dann nicht losgelassen, wenn ein Erzdämon über ihn hinweg geflogen wäre.
Endlich sprang Salis vom Karren und fiel Josephine um den Hals. „Ich habe Dich vermisst, ma vhenan.“
Die Botschafterin zog sie näher an sich heran. „Du hast mir gefehlt,  ma'arlath.“
Annabelles Tochter flog regelrecht heran und rannte ihre Mutter beinahe um. Die Magierin lachte freudig und nahm ihre Kleine in den Arm. „Nicht so stürmisch, mein Schatz.“ Sie drückte William einen Kuss auf die Wange. „Danke, dass Du auf Alina aufgepasst hast.“
Er lächelte so sanftmütig wie immer. „Gerne doch. Du passt ja auch auf meinen Wirbelwind auf, wenn ich nicht da bin.“ Ehe er sich versah, verschwand sein Sohn mit Annabelles Tochter irgendwo in der Feste.
„Fragt sich, wer der Wirbelwind von beiden ist“, stellte die Magierin schmunzelnd fest.

Cassandra hatte die Szene mitangesehen und alle Mühe, sich nichts anmerken zu lassen, aber Niin, die neben ihr nach ihrem Rucksack angelte, den sie unter der Pritsche verstaut hatte, meinte, während sie kopfüber an einem Lederriemen riss: „Sie sind sicher nur Freunde.“
Die Sucherin zuckte ertappt zusammen und grummelte: „Wen interessiert das?“ Dann sprang sie wütend in den Hof und lief in ihr Quartier.
Leliana wartete, äußerlich gelassen, bis Niin als Letzte den Karren verließ, den Rucksack locker über die Schulter gehängt. „Hallo Käuzchen.“
„Hallo Nachtigall.“ Die Elfe stand unschlüssig vor ihr. War es der Spionin recht, wenn sie ihr einfach so um den Hals fallen würde? Vor allen Leuten und vor allem: vor ihren Spähern?
Leliana spürte, dass sie Niin ein Zeichen geben musste. Sie strich der Elfe mit den Fingern über die  Stirn, streichelte ihre Wange und küsste sie sanft. „Du brauchst Dich nicht zurückhalten, Nari. Mir ist egal, was andere denken.“ Ehe sie sich versah, landete der Rucksack auf dem Boden und Niin umarmte sie ungestüm.

Drei Stunden später ging Schwarzpelz, das Maultier, auf große Entdeckungsreise. Er hatte es mal wieder geschafft, eine Lücke im Zaun zu finden und erinnerte sich nur zu gut an das leckere Unkraut, das man ihm gegeben hatte, als der Garten umgepflügt wurde. Warum sich dann mit Heu begnügen, wenn es dort irgendwo etwas Besseres gab? Er trabte unbehelligt die Brücke entlang und entschied sich, den unteren Hof zu inspizieren.
William hockte gerade vor einem Holzstapel und machte Feuer, als sich jemand von hinten durch seine Haare wühlte. Erschrocken blickte er sich um, starrte auf eine weiche Maultierschnauze, wurde abgeleckt und fiel auf sein Hinterteil. Cassandra, die an einem der Tische vor der Küche eine Mahlzeit zu sich nahm, grinste hämisch. Der Magier stand auf und versuchte, das widerspenstige Tier wenigstens davon abzuhalten, durch das sorgsam aufgeschichtete Holz zu stapfen.
Schwarzpelz trollte sich davon. Hier gab es nichts Aufregendes zu sehen, also trottete er die Treppen hoch und inspizierte den oberen Hof. In der hintersten Ecke, gleich hinter dem Zelt der Sturmbullen und Cassandras Übungsplatz gab es ein unbekanntes Fleckchen.
Dorthin hatten sich auch Niin und Leliana zurückgezogen. Beide waren eingeschlafen. Der Kopf der Spionin ruhte auf dem Oberschenkel der Elfe, die saß und sich mit dem Rücken an einen Baum gelehnt hatte. Schwarzpelz beschnupperte Leliana und begann sanft auf ihrem Ohr herum zu mümmeln. Sie kicherte im Schlaf. „Nari, hör' auf.“
Niin öffnete irritiert die Augen und starrte erst verschlafen auf das Maultier, dann auf die Spionin. Sie hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht laut loszulachen. Leliana murmelte immer noch vor sich hin. „Nicht hier, Nari.“ Schließlich wachte sie auf, ihr Kopf ruckte hoch und ihre Nase stieß an die Schnauze des Maultieres.
Die Stadtelfe prustete lachend los, während sich die Spionin entgeistert ans Ohr fasste. „Igitt. Von einem Maultier geknutscht.“ Schwarzpelz trabte wieder zurück, denn hier gab es auch wenig Interessantes und noch weniger Wohlschmeckendes.
„Und Du hast gedacht, ich wäre es gewesen.“ Niin machte ein beleidigtes Gesicht. „Warum sollte ich Dir an Deinem Ohr herum lecken?“
Lelianas blaugrüne Augen verengten sich, sie kniete sich neben Niin nieder, beugte sich zu ihr vor und flüsterte ihr zu: „Weil es Spaß macht.“
„Ich glaube kaum ...“ Sie hielt den Atem an, als die Lippen der Spionin zärtlich über ihren Hals strichen, das Ohrläppchen liebkosten. Leliana stützte sich mit beiden Händen ab, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Sie biss sanft in das Ohr der Elfe, ihre Zunge tanzte über die Haut der anderen und als sie aufhörte, um Niin anzusehen, hatte diese die Augen schlossen.
„Beharrst Du immer noch auf Deiner Meinung, Nari?“ Leliana lächelte liebevoll.
Niin starrte sie eine Weile verzückt an und grinste dann. „Nein, Du hast mich überzeugt.“ Ihre Hände wanderten Lelianas Hüften entlang und wollten sie näher zu sich heran ziehen. „Worauf wartest Du?“, hauchte sie.
Die Stimme der Spionin klang verheißungsvoll. „Genau auf diesen einen Satz.“ Niins Lippen schmiegten sich sanft auf die ihren und Leliana war kurz davor, nicht nur das Gleichgewicht zu verlieren, sondern auch den kläglichen Rest ihrer Selbstbeherrschung. Sie spürte, wie sich die linke Hand der Elfe in ihrem Hemd verkrallte, ihre Küsse fordernder wurden.
Kurz hielten sie heftig atmend inne und schauten sich in die Augen. Niin flüsterte: „Ich will.“ Dann schlangen sich ihre Beine um die Taille der Spionin, drückten sie sachte zur Seite, so dass beide ins Gras rollten und die Elfe schließlich halb auf ihr lag. Ihr rechtes Bein schob sich über Lelianas Oberschenkel, während sich deren linke Hand durch Niins Haare wühlte.
Die beiden vergaßen alles und jeden um sich herum. Die Lippen der Spionin öffneten sich leicht und die Elfe kam der Aufforderung neugierig nach. Sie stemmte sich mit der rechten Hand ab, damit nicht ihr ganzes Gewicht auf Leliana lastete. Ihre Linke fand den Weg unter Lelianas Hemd und ihre Finger tasteten sich den Bauch hinauf.
Die Spionin unterbrach den Kuss und atmete stöhnend aus. Niin spürte den schnellen Atem unter ihrer Hand. Sie küsste Lelianas Hals während ihre Finger langsam hinunter zum Bauchnabel der Spionin glitten und dort kreisende Bewegungen vollführten. Von dort aus schoben sie sich wieder in die Höhe, streichelten die festen Brüste der anderen, begleitet von immer lauter werdenden Kussgeräuschen. Niins Hand fuhr wieder in die Tiefe.
„Warte!“ Leliana krallte sich in ihrer Kleidung fest, schaute sie mit verklärtem Blick an, aber Niin ließ nicht von ihrem Vorhaben ab, bis sich die Spionin schließlich aufbäumte. Dann entrann ihrer Kehle ein tief grollender Seufzer, sie schloss die Augen und Niin ließ ihr Zeit, zu sich zu kommen.
„Scheiße, das ist mir noch nie passiert“, murmelte Leliana und lächelte sie schwach an, die Elfe küsste ihre Stirn.
„Als Du sagtest, dass Du mich anziehend findest, dachte ich, Du würdest flunkern.“ Niin schmunzelte glücklich. „Jetzt weiß ich, dass Du die Wahrheit gesagt hast, Leli.“
„Wir sollten hier weg, Nari.“ Die Spionin strich der Elfe versonnen durch das wirre Haar.

„Ja, wäre nett, wenn Ihr woanders weitermachen würdet!“, brüllte es aus dem Zelt der Sturmbullen und beide Frauen fuhren erschrocken in die Höhe, zudem wurde Leliana hochrot.
„Bulle?“, fragte Niin in die Dunkelheit hinein.
„Ich dachte mir, ich sage lieber was, bevor Ihr … na, Ihr wisst schon ...“ Er lachte dröhnend.
„Sehr dezent, Häuptling“, schnauzte Krem ihn an, der am Lagerfeuer saß.
„Was hätten wir denn tun sollen? Zuhören?“ Der Qunari verstand den Aufwand nicht, den die Menschen um ihre Gefühle betrieben. Sie machten alles unnötig kompliziert.
„Holt mich hier raus!“, rief Harding entnervt.
„Lace?“ Niin schlug die Plane des Zelteinganges zurück und schaute sich um. „Was machst Du denn hier?“
„Die Haupthalle wird umgebaut, also hat man mich hierher geschleppt oder sollte ich sagen: verschleppt?“ Es klang allerdings nicht sonderlich wütend.
„Du hast geschlafen“, antwortete Krem lachend.
Leliana fasste nach Niins Arm und lächelte sie verschwörerisch an. „Würdest Du eine Weile hier warten, bevor Du in unser Quartier kommst, Nari?“
Die Elfe machte große Augen. „Warum denn?“
„Ich habe eine Überraschung für Dich, aber ich brauche ungefähr eine halbe Stunde.“ Sie küsste Niin und eilte davon.
Die Elfe setzte sich schulterzuckend neben Krem und bemerkte die leichten Wölbungen unter seiner Weste. Sie sprach mit gedämpfter Stimme: „Du hast die Bandagen nicht an?“
Er schnaufte verärgert. „Mit einer Hand kann ich sie nicht anlegen.“
„Warum lässt Du sie nicht ganz weg?“fragte sie unumwunden.
Krem sah sie erst nachdenklich an, dann stocherte er im Feuer herum, um seine Gedanken zu sortieren. „Dann bin ich noch mehr weder noch“, entgegnete er heiser. „Ich sitze eh zwischen den Stühlen. Bin weder das Eine, noch das Andere.“
„Du bist beides. Das Eine UND das Andere“, warf Niin ein und schaute ihn sanftmütig an.
„Ich bin weder Mann noch Frau. Was bin ich dann?“ Sein Tonfall klang verzweifelt.
Die Elfe nahm seine rechte Hand in die ihre, betrachtete ihn lange und wisperte: „Du bist Krem.“ Ihr Lächeln wirkte ansteckend, wenngleich auch Tränen in Krems Augen schimmerten. „Danke, Niinara. Das ist lieb von Dir.“
„Gratuliere Krem! Du hast sogar Harding zum weinen gebracht, von mir ganz zu schweigen!“ Schrie der Bulle wenig dezent wie immer.
„He! Ihr könnt wohl auch nichts für Euch behalten, was?!“ Man hörte draußen, wie die Späherin verärgert ihr Kopfkissen nach dem Qunari schmiss und er lachte dröhnend.
Niin stand nach einer Weile auf und verabschiedete sich. Die Neugier ließ sie zwei Stufen auf einmal nehmen und ihr Herz begann zu pochen. Was hatte Leliana bloß vor? Sie klopfte an, um der Spionin Zeit zu geben, mit der Überraschung fertig zu werden.
„Komm' rein, Nari.“ Die Elfe war erstaunt, wie konnte sie wissen, wer vor der Tür stand? Sie dachte nicht weiter darüber nach, sondern öffnete vorsichtig und dann verschlug es ihr die Sprache.
Der Raum war getaucht in flackernden Kerzenschein, der über die Wände tanzte, erzeugt von dutzenden Kerzen, die überall sorgsam verteilt ein warmes Licht spendeten. Auf dem Strohbett lagen Rosenblätter und es duftete wie eine warme Sommernacht.
Niin trat ein, schubste die Tür schnell mit dem Fuß zu und verschloss diese sorgsam. Sie stellte sich vor Leliana, die eine Rose in der Hand hielt und sie ihr hinter das Ohr klemmte. „Eine wunderschöne Blume für eine wunderschöne Frau.“ Behutsam küsste sie die Elfe.
„Bei Kerzenschein und Rosenblättern“, hauchte Niin und begann, Lelianas Hemd aufzuknöpfen, es fiel achtlos zu Boden und die beiden sanken auf das Lager.

Krem saß noch zwei Stunden am Feuer bis er müde genug war, um schlafen zu gehen. Sein Feldbett stand neben Hardings. Sie hatte sich nicht darüber beschwert, stellte er fest und lächelte in sich hinein. Er legte sich hin und drehte sich in ihre Richtung, da bemerkte er, dass die Zwergin wach war und flüsterte: „Lace, warum schläfst Du nicht?“
„Ich konnte nicht.“ Sie schaute ihn mit Sorgenfalten auf der Stirn an und er hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, als wolle er damit all ihre Sorgen hinfort jagen.
„Es ist alles gut“, versuchte er, sie zu beruhigen.
Ihre Hand fand sie seine und hielt sie so fest, als wolle sie diese nie wieder loslassen. Krem strahlte sie an, seine braunen Augen leuchteten und in ihnen spiegelte sich der Schein der Laterne, die man hinter ihrem Bett auf einer Kiste aufgestellt hatte.
„Du bist Krem. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht entscheidend, was wir sind, sondern wer.“ Harding lächelte zaghaft und schaute ihn so lange an, bis ihr die Augen zufielen.

Salis schmunzelte gedankenverloren, denn Josephine hatte ihren Kopf auf dem Bauch der Elfe gebettet und schlief noch fest. Ihre schwarzen Haarsträhnen kitzelten bei jedem Atemzug, Salis nahm eine davon und strich damit sanft um die Nasenflügel der Botschafterin.
Josephine erwachte mit einem Niesen und bettete ihr Kinn dann verschlafen grinsend zwischen den Brüsten der Elfe. „Guten Morgen, mein Honigbärchen.“
Salis kicherte und ließ ihre Finger verspielt über den Rücken der Botschafterin gleiten. „Guten Morgen, mein Süßmäulchen.“ Sie fuhr mit dem Zeigefinger zärtlich über Josephines Nase. „Ich hoffe, wir kommen bald mal nach Val Royeaux. Dem Konditor schicke ich vorher ein Dankesschreiben.“
„Was machen wir heute?“, fragte Josephine gähnend.
„Die Welt retten. Wie jeden Tag“, antwortete Salis vor sich hin lächelnd.
Sie zogen sich an und gingen Hand in Hand durch die Haupthalle, die nun langsam anfing, ihrem Namen alle Ehre zu machen. Die Handwerker hatten einige Nebengebäude instandgesetzt und so konnte man die Verletzten dort unterbringen. In den beiden Höfen herrschte weiterhin drangvolle Enge wegen der Zelte.
Cullen hatte ihnen gestern in der Besprechung einen ambitionierten Plan unterbreitet, der auf allgemeine Zustimmung stieß. Er wollte vor der Feste ein paar Hütten errichten, damit die Menschen nicht mehr lange so eng aufeinander hocken mussten und es doch noch zu Auseinandersetzungen kam.
Am Fuße der Treppe angekommen bemerkten sie, dass vor dem Zelt der Sturmbullen schon reger Betrieb herrschte. Der Bulle selbst hatte das Feuer angefacht und darüber köchelte nun ein Topf voll Teewasser. Krem saß auf einer Decke im Schneidersitz und Salis stellte überrascht fest, dass er weder Rüstung noch Lederweste trug. Hemd und Hose schienen ihm heute zu reichen.
Harding hatte sich neben ihm niedergelassen, sie lehnte sich an einer Kiste an und ihr verwundetes Bein lagerte auf einem Stapel Decken. Ihre rote Haarflut versuchte sie mit einem einfachen Pferdeschwanz zu bändigen.
Die Dalish Elfe und Josephine setzten sich nach einem allgemeinen Morgengruß dazu. „Wie geht es Euch, Leutnant?“, fragte die Botschafterin besorgt.
Die Zwergin schaute sie ein wenig gequält an. „Ein Zelt voller schnarchender Leute. Ein Qunari, der so dezent wie ein Marktschreier ist und ein Hauptmann, der einen im Schlaf vermöbelt … ja, der Erbauer hat schon Sinn für Humor.“
Krem schreckte hoch. „Wen habe ich vermöbelt?!“, fragte er überrascht.
„Du hattest einen Alptraum und um Dich geschlagen. Wenn Deine Hand in wachem Zustand da gelandet wäre, wo sie gelandet ist, hätte ich Dir den Hals umgedreht“, murrte Harding leicht verstimmt.
Der Hauptmann schaute sie verunsichert an. „Wo ist sie denn gelandet?“
„Da, wo man einer Frau besser nicht ohne Erlaubnis hin fassen sollte.“ Der bedrohliche Gesichtsausdruck der Zwergin ließ Krem ein wenig von ihr abrücken.
„Entschuldige, Lace“, murmelte er kleinlaut und starrte verwirrt in seinen Becher Tee.
Der Bulle grinste. „Ach, Harding, jetzt nehmt es ihm doch nicht krumm. Es sei denn, Ihr seid sauer, weil er dabei geschlafen hat. Außerdem hat er ja kein Gefühl in der linken Hand.“ Er grinste aufdringlich.
„Kümmert Euch ...“, entfuhr es ihr ohne nachzudenken. Sie fühlte sich ertappt und wollte nicht, dass man ihr ansah, was sie für Krem empfand. Wenn es um ihre Gefühle ging, reagierte sie ab und zu überzogen, hin und wieder auch aggressiv. Zu oft hatte man ihr in der Vergangenheit übel mitgespielt und nun war sie in etwas hineingeschliddert, das ihrer Kontrolle langsam entglitt.
Salis schaute zwischen den Dreien hin und her und schubste Josephine unbemerkt an. Sie wechselten kurz einen Blick, dann sprach die Elfe mit Bedacht: „Ihr könnt Euch gerne ein anderes Domizil aussuchen, Harding.“
„Nein!“ protestierte die Zwergin prompt und vehementer als gewollt.
Die beiden Gäste standen auf, um sich zu verabschieden und die Botschafterin meinte: „Ich muss zu Leliana. Es gibt einige Dinge wegen des bevorstehenden Balles zu besprechen.“
Der Bulle grinste süffisant. „Da werdet Ihr Euch sicher noch eine Weile gedulden müssen, bis Schwester Nachtigall das Bett verlässt.“ Zwei ratlose Augenpaare ließen ihn fortfahren. „Lasst den beiden doch einfach noch ein wenig Zeit, ja?“

Niin erwachte langsam. Sie lag auf der linken Seite und spürte Lelianas nackten Körper, der sich an sie geschmiegt hatte. Der rechte Arm der Spionin lag auf ihrer Taille und gleichmäßige Atemzüge strichen über das Genick der Elfe, die sich nun drehen wollte, weil sich das Heu unter ihr zur Seite geschoben hatte. Außerdem hatte ein Teil davon, im Eifer des Gefechtes, des nachts wegen der heruntergebrannten Kerzen Feuer gefangen.
Niin bewegte sich vorsichtig, aber Leliana wachte trotzdem auf und lächelte sie noch etwas benommen an. „Guten Morgen, Nari.“ Die Lippen der Spionin berührten sanft die Wange der Anderen.
„Gut geschlafen, Leli?“ Die Elfe streckte sich kurz, kuschelte sich an ihre Liebste, ließ eine Hand sachte über Lelianas Gesäß gleiten. Sie küssten sich, der Griff wurde fester und sie liebten sich erneut.

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