Niin fing langsam an, Kammwald zu hassen. Dieser ewige Regen durchnässte einen nicht nur bis auf die Knochen, sondern er weichte auch die Straße auf und man stand stellenweise knöcheltief im Schlamm. Salis hatte sich deswegen auch entschieden, zu Fuß zu gehen, denn die beschlagenen Hufe der Pferde würden hier zu wenig Halt finden.
Die Elfe erspähte zuerst die Sturmbullen, dann kamen Salis und die anderen dahinter zum Vorschein. Sie winkten und schienen guter Dinge zu sein. Niin begrüßte die Dalish Elfe grinsend mit einem: „Hallo, Inquisitor.“
Salis verzog verärgert das Gesicht. „An diese Bezeichnung kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Herold Andrastes war schon nervig, aber Inquisitor, das klingt irgendwie sehr unfreundlich, oder?“
Cassandra antwortete mit todernstem Gesicht: „Wenn es Euch beruhigt, dann könnte wir ja einmal die Woche durch die Städte ziehen und Euch Babys küssen lassen.“
Salis blickte sie erst irritiert an und prustete dann lachend los. „Ihr könnt wirklich humorvoll sein, wenn Ihr wollt! Seht Ihr, es geht doch.“
Die Sucherin brummte: „Ich übe noch.“ Insgeheim freute sie sich, dass ihr der Witz gelungen war.
Die Dalish Elfe fragte Niin besorgt. „Wie geht’s den Patienten? Wir können umziehen. Die Festung ist geräumt. War nicht viel los. Ein paar Halsabschneider.“
Sie schickten eine weitere Krähe mit einer Nachricht zur Himmelsfeste:

Sind in der Festung Caer Bronach. Schickt alles Nötige zum Aufbau eines Stützpunktes.
Salis Lavellan.

Dann packten sie ihre Sachen zusammen und deckten die Verletzten, welche auf einem der beiden Ochsenkarren lagen, mit einer Zeltplane ab. Die Pferde wurden auf einem Umweg zur Festung geführt und Niin bemerkte erstaunt, dass das Eingangstor so klein war, dass die Ochsenkarren kaum hindurch passten. Im unteren Bereich befanden sich nur die Stallungen und die obere Ebene war über eine beidseitige Steintreppe zu erreichen.
Sie brachten die Verwundeten nach oben und suchten nach einem trockenen Platz. Der ewige Regen schien auch hier alles durch die hohe Luftfeuchtigkeit durchweicht zu haben. Der Steinboden war teilweise glitschig und bemoost. Die Bauweise der Festung war leider sehr offen. Es gab Wandelgänge und Terrassen. Schließlich fanden sie einige geschlossene Räume und Cassandra positionierte sowohl die Späher als auch Cullens Soldaten im Außenbereich.
Die Feldbetten waren schnell aufgestellt und Annabelle wühlte sich bereits mit Niin durch das Gepäck der beiden Verwundeten auf der Suche nach trockener Kleidung. Sie legte Hemd und Hose auf einen Schemel neben Krems Lager. „Und nun raus aus den nassen Sachen.“
Er zuckte entsetzt zusammen. Nein!“ Der Hauptmann presste die Lippen aufeinander und klammerte sich an seiner Decke fest, welche die Magierin zurückschlagen wollte. Es entstand ein kleines Tauziehen.
„Jetzt stellt Euch nicht so an!“ Annabelle schnaufte ungeduldig und zog erneut, aber Krem hielt die Decke weiterhin mit seiner gesunden Hand fest.
„Wartet einen Moment, ich bin gleich wieder da.“ Niin rannte hinaus und schaute sich suchend um. Der Bulle, Salis und der Rest der Gruppe saßen an einem großen Tisch und beratschlagten, was nun zu tun sei.
„Ah, gut dass Du kommst, Niin.“ Salis bot ihr einen Stuhl an. „Wir gehen gleich los und legen den See trocken. Ich möchte, dass Du mit den vier Spähern nach Hawke Ausschau hältst. Sie muss hier entlang gekommen sein. Skizziere alles auf, was Dir unterwegs auffällt.“
Die Stadtelfe nickte eifrig. „Hawke hat sicher Spuren hinterlassen, denen wir folgen können.“
„Die Sturmbullen bleiben mit den Soldaten hier. Nur für den Fall, dass einige der Banditen unterwegs waren und nun zurück kommen.“ Salis stand auf und nickte allen zu. „Hoffentlich sehen wir uns heute Abend. Ich möchte hier nicht länger verweilen als nötig. Das Wetter ist einfach zu ekelhaft.“ Sie schüttelte sich schon beim bloßen Gedanken daran und verabschiedete sich dann, um das Schleusenhaus zu finden. Cassandra, Varric und Dorian schlichen ihr durch den Regen hinterher.

Niin hielt den Bullen am Arm fest. „Kannst Du mir mal mit Krem helfen? Er will sich nicht umziehen.“
Der Qunari seufzte. „Und nun soll ich ihn aus seinen Klamotten schälen?“
„Ist Dir das peinlich?“, rutschte es der Elfe heraus.
Er lachte. „Nein. Ich habe Krem damals in dieser scheiß Taverne fast vom Boden abkratzen müssen. Danach flickte ich ihn wieder zusammen. Glaub' mir: ich kenne jeden Zentimeter von ihm ganz genau. Die meisten Narben hat er sich damals geholt und alle Wundnähte sind von mir, dabei kann ich nicht einmal einen Knopf annähen.“ Das breite Grinsen des Bullen war schon ein wenig furchteinflößend, selbst wenn man ihn kannte. Dann baute er sich vor seinem Hauptmann auf und knurrte bedrohlich: „Raus aus dem Klamotten, das ist ein Befehl!“
Krem beäugte ihn fast ängstlich und ließ sich schließlich sogar die Decke abnehmen.
„Stell Dich hin, den Rest machen wir.“ Nun klang die Stimme des Bullen sanfter, er half dem Verletzten auf, öffnete dessen Weste und zog sie ihm aus. „Das Hemd“, befahl er fordernd, aber die Hand des Hauptmannes krallte sich im Stoff fest, so dass niemand an die Knöpfe heran kommen konnte.
Harding beobachtete das Spektakel neugierig und dachte mit Schaudern daran, dass es ihr gleich ebenso ergehen würde.
Niin hatte es mit sanfter Gewalt geschafft, Krems Hand aufzumachen und der Bulle öffnete flink die Knöpfe. Annabelle betrachtete die Bandagen um die Brust des Hauptmannes. „Seid Ihr verletzt?“, fragte sie verwirrt.
Krem lief hochrot an und schüttelte wortlos den Kopf. Der Bulle wickelte ihn behutsam aus dem Verband und Niin wurde jetzt erst richtig bewusst, was der Hauptmann jeden Tag auf sich nahm, um so sein zu können, wie er sich fühlte. Jetzt stand eine Frau vor ihr mit kleinen Brüsten, was sicherlich auch am muskulösen Oberkörper lag, selbst am Bauch zeichneten sich Muskeln ab, während die Hüften doch recht breit waren. Eine Frau mit deutlich weiblichen Formen, die sich als Mann fühlte und niemals einer sein würde.
Sie lächelte Krem aufmunternd zu und er lächelte zurück, auch wenn seine Augen verdächtig feucht funkelten. Er blickte zu Harding rüber und in diesem Moment kullerten ihm ein paar Tränen die Wange hinab, hatte er doch nie gewollt, dass sie ihn so sah. Der Gedanke, dass ihn überhaupt jemand so erblickte, war ihm unerträglich. Fast willenlos ließ er sich die Hose ausziehen und in trockene Kleidung stecken. Der Bulle wickelte ihn vorsichtig in die Decke ein und strich ihm mit dem Handrücken über die Wange. „Es ist alles gut. Versuch', zu schlafen. Ich werde jetzt lieber gehen.“ Er blickte zu Harding, die von Niin gerade in die Höhe gezogen wurde, während Annabelle die Kleidung der Späherin auf dem Bett zurecht legte. Dann verabschiedete er sich von seinem Hauptmann.
Die Zwergin war zu erschöpft, um sich zu wehren. Sie murrte in paar mal ungehalten und schnauzte Krem an, dass er sich auf die andere Seite drehen sollte. Schon in Haven hatte sie sich vor allen verborgen, erinnerte sich Niin und fragte sich, woher Hardings Schüchternheit kam. Die Späherin bemerkte den nachdenklichen Blick der Elfe. „Ich bin ein Leben lang gehänselt worden für meine kurzen Arme und Beine. So lange, bis ich selbst geglaubt habe, dass ich hässlich bin.“
„Du bist nicht hässlich, Lace“, kam es leise von Krems Krankenlager. Er hatte jede Bewegung beobachtet.
Sie schaute ihn überrascht an, während sie sich an Niin festhielt und versuchte aufzustehen, um sich die Hose auszuziehen. „Das hier ist wirklich erniedrigend.“
Er grinste schwach. „Wem sagst Du das?“
„Ja, wann hat man schon mal Gelegenheit, nackt auf einem Bein in der Gegend herumzustehen?“, grummelte Harding verstimmt, dann schob Niin sie in eine trockene Leinenhose und half ihr beim Anziehen des Hemdes. Nachdem auch die Zwergin in ihrer Decke verstaut worden war, stellte sich die Elfe zwischen die beiden und stemmte ihre Hände in die Hüften. „Ich will Euch beiden mal etwas sagen: ich dachte auch immer, dass ich hässlich bin. Ich habe es mir von Kindern einreden lassen, die sich über meine großen Ohren lustig gemacht hatten. Später sagte man mir oft, ich sei zu klein, zu dünn … aber eines Tages, da kommt jemand und für den ist man wunderschön.“ Sie lächelte versonnen und Wärme kroch durch ihren Bauch, als sie an Leliana dachte. „Ich muss jetzt los.“ Sie empfahl sich und stieß zu den vier Spähern, die schon am Eingangstor warteten. Die Sturmbullen besetzten deren Positionen auf den Wehrgängen und -türmen.

Sie waren noch nicht weit gelaufen, als sie zu einem alten Handelsweg kamen. Von hier aus konnte man über den See schauen und sie starrten alle wie gebannt auf das Spektakel, als dieser vor ihren Augen leer lief und ein versunkenes Dorf freigab.
„Seht Euch das an! Wer hat denn ein ganzes Dorf absaufen lassen?!“, rief einer der Späher erschrocken.
Niin konnte nur hoffen, dass man die Bewohner zeitig evakuiert hatte. Das war schon ein schauriger Anblick. Sie trabten weiter und suchten die Wegränder nach Zeichen ab. Die Elfe fand einige umgeknickte Äste an einem Strauch. Nicht in Sichthöhe, sondern in Bodennähe. Mit etwas Fantasie bildeten sie wie zufällig einen Pfeil. Sie notierte sich die Position, dann liefen sie weiter.
Der Weg ging in einen kleinen Canyon über, der auf beiden Seiten immer wieder von Höhlen unterbrochen wurde. Aus einer dieser Höhlen liefen ihnen Nugs um die Beine herum. Ein Späher rief angewidert: „Ich kann diese Viecher nicht ausstehen!“
Niin hob eines in die Höhe und betrachtete es amüsiert: „Ich finde Nugs süß.“ Manche hatten weniger nette Bezeichnungen für diese Tiere, deren Größe zwischen der einer Ratte und eines Hundes variierte. Ein Fell fehlte ihnen und sie hatten recht große Ohren, die beim Rennen auf und ab wackelten. Man könnte sagen: eine Nug war eine Mischung aus Hase und Schwein.
„Schwester Leliana hat eine Nug namens Schmooples, der Zweite. Keine Ahnung, ob Männchen oder Weibchen, aber Späher Spatz passt in Denerim auf dieses Vieh auf“, bemerkte einer der Männer.
„Muss ich doch gleich mal nachfragen, wenn wir zurück sind.“ Niin grinste bis zu den Ohren. So, so, die hartgesottene Meisterspionin hatte also niedliche Haustiere?
Als ein schmaler Weg links abging, folgten sie diesem vorsichtig und stellten entsetzt fest, dass er in einer Art Höhle endete, in der Rote Templer lagerten. Überall wuchs rotes Lyrium aus dem Gestein, das sie abzubauen schienen. Niin setzte eine weitere Markierung auf die Karte.
Sie schlichen davon, gingen weiter und schauten sich am Ausgang des Canyons wieder nach Zeichen um. Es musste noch mehr Höhlen geben, die weiter abseits lagen und sie wurden wieder fündig. Die abgeknickten Äste wiesen zu einem See hin und sie wollten gerade los eilen, als ihnen zwei Gestalten entgegen kamen. Es war Hawke und an ihrer Seite befand sich ein Mann in der Rüstung der Grauen Wächter.
„Seid gegrüßt, Champion.“ Niin deutete eine kleine Verbeugung an, ebenso ihre Kameraden.
Hawke winkte ab und wirkte ungehalten. „Ihr habt Euch Zeit gelassen.“
Niin meinte entschuldigend: „Der Inquisitor muss sich erst um den Riss im See kümmern und den Bürgern von Kammwald helfen. Bitte folgt uns in die Festung. Dort haben wir es wenigstens trocken.“
„Ihr habt die Banditen vertrieben?“ Der Wächter schien sich über die Aussicht, endlich ein vernünftiges Dach über dem Kopf zu haben, zu freuen. Er hatte einen großen Rucksack dabei und schritt eilig voran. „Dann lasst uns keine Zeit verlieren. Sind Euch unterwegs andere Wächter begegnet?“
Niin schüttelte den Kopf. „Nicht auf diesem Weg, aber in Kammwald traf der Inquisitor zwei von ihnen. Sie schienen Euch zu suchen. Da vorne bei den roten Templern sollten wir ein wenig … leiser sein.“ Das war eine Anspielung auf die laute und recht barsche Stimme des Wächters, die Bemerkung zeigte Wirkung und die Gruppe lief den Rest des Weges schweigend entlang. Kurz vor der Festung verschwanden die Regenwolken binnen Minuten. Alle starrten gebannt in den Himmel und blinzelten kurz darauf ins ungewohnte Licht der untergehenden Sonne. „Ob sie es geschafft haben?“, fragte einer der Späher verblüfft.
Niin zuckte mit den Schultern. „Wir werden sehen. Zumindest trocknen wir nun ein wenig.“ Sie ließ den Spähern den Vortritt und marschierte hinterher, schließlich war sie nur Rekrutin.

In der Festung angekommen, setzten sich Hawke und der Wächter an den großen Tisch in einem der wenigen geschlossenen Räumen, der den Banditen wohl als Speisesaal gedient hatte. An den Wänden hingen Fackeln, die ein flackerndes warmes Licht verbreiteten.
Nun konnte die Elfe den Wächter genauer betrachten. Durch die Rüstung schimmerte der typische blaue Stoff hindurch, der riesige Kragen war hochgestellt und der Brustpanzer mit Lederriemen fixiert. Es war keine schwere Rüstung, sondern die eines Spähers oder Bogenschützen. Umso mehr verwunderte sie, dass er Schwert und Schild trug, aber wahrscheinlich war man damit schneller unterwegs.
„Ich darf Euch meinen Freund vorstellen: Jean-Marc Stroud.“ Hawke deutete mit einer lässigen Geste auf den Wächter und Niin neigte erneut den Kopf. „Sehr erfreut. Ich bin Niinara Larion, Rekrutin.“ Sie verteilte Teller und Besteck.
Stroud lächelte sie freundlich an und bedankte sich, während er etwas Wein in den Becher goss. Die Elfe betrachtete ihn von der Seite. Das Gesicht des Mannes wirkte ernst, die Augen müde. Er trug sein schwarzes Haar, das stellenweise grau durchschimmerte, kurz und an den Seiten ausrasiert, fast so wie Salis. Sein Schnauzbart ging in einen recht schlampig getrimmten Backenbart über und reichte bis auf Kinnhöhe.
Sie hörte die Sturmbullen rufen und kurze Zeit später standen Salis, Cassandra, Varric und Dorian im Raum und starrten andächtig auf den Wächter, der ihnen nun ebenfalls von Hawke vorgestellt wurde. Sie setzten sich allesamt und als Niin gehen wollte, hielt der Herold sie zurück. „Du bist Lelianas Späherin, also solltest Du auch bei der Besprechung dabei sein.“
„Aber ich bin nur …“, protestierte die Stadtelfe.
Salis wischte ihre Bedenken mit einer Handbewegung beiseite. „Du bist ein Mitglied der Inquisition und Lady Nachtigall hat ihre Gründe, warum sie Dich in die Reihen ihrer Späher aufgenommen hat, wenn wir einmal von persönlichen Motiven absehen.“ Den letzten Teil sagte sie mit einem belustigten Grinsen, was ihr eine missmutig hochgeschobene Augenbraue einbrachte.
Sie riefen den Bullen herbei und als alle saßen, erzählte Salis zuerst, was sie an diesem Tage erlebt hatten. „Hier scheint es mehr Risse als Einwohner zu geben. Wir haben heute drei geschlossen und ich könnte wetten, dass es noch mehr gibt. Wir mussten in eine Höhle hinabsteigen und leider feststellen, dass sich dort Menschen vor der Verderbnis hinein geflüchtet hatten. Dann wurde alles überflutet. Ein schrecklicher Gedanke. Wir wollten zurück zum Stadtoberhaupt von Kammwald gehen, aber dieses hatte sich aus dem Staub gemacht. Er ließ uns ein Schreiben zurück, in dem er gestand, dass er damals das Dorf geflutet hatte. Aus Angst, die Verderbnis könne noch mehr Menschen infizieren. So weit der Stand der Dinge. Und nun zu Euch, werter Wächter.“ Sie nickte ihm ermunternd zu.
Stroud lehnte sich zurück und strich sich nachdenklich über seinen struppigen Bart. „Ich weiß nicht, wie viel Ihr über die Grauen Wächter wisst.“ Er blickte in ratlose Gesichter und fuhr fort. „Dann lasst es mich erklären. Einst wurde unser Orden gegründet um die Dunkle Brut zu bekämpfen. Wir sind die einzigen, die einen Erzdämonen besiegen können, wenn eine neuerliche Verderbnis droht und die Dunkle Brut sich aus den Tiefen Wegen wagt.
Der Grund, warum wir bisher gegen diese Monster so erfolgreich waren, ist das Beitrittsritual, dem sich jeder Anwärter unterziehen muss und das für viele tödlich verläuft. Wir nehmen die Verderbnis in uns auf, indem wir das Blut der Dunklen Brut trinken, vermischt mit Lyrium und einem Tropfen des Blutes eines Erzdämonen. Von da an können wir die Dunkle Brut wahrnehmen, sie aber auch uns. Wir sind mit ihnen verbunden und immun gegen die Verderbnis.
Und nun kommen wir zum Grund meines Hierseins: Ein Wächter kann sich nur eine bestimmte Zeit lang diese Immunität bewahren. Vielleicht zehn Jahre. Wenn sein Wille stark genug ist, dreißig. Dann hört er ihn … den Ruf. Erst leise, dann immer eindringlicher. Ihm wird bewusst, dass er bald sterben wird. Sterben muss, denn sonst wird er … verderbt, wird selbst ein Monster. Jeder Wächter, der den Ruf hört, geht in die Tiefen Wege, um dort im Kampf gegen die Dunkle Brut ein würdiges Ende zu finden.“
Er machte eine kurze Pause. „Und nun haben alle Wächter in Orlais diesen Ruf gehört. Sie glauben, dass ihr Ende naht. Corypheus hat es irgendwie geschafft, den Ruf in unsere Köpfe zu pflanzen. Kommandantin Clarel plant ein Blutmagieritual, welches zukünftige Verderbnisse verhindern soll. Ich wollte es ihr ausreden und wurde als Verräter gejagt.“
„Wohin gehen die Wächter?“, fragte Cassandra, fassungslos über das soeben Gehörte. Noch nie hatte ein Wächter so viel über seinen Orden preisgegeben.
„Hawke und ich vermuten sie in den Westgraten. Sie scheinen sich dort zu versammeln.“ Stroud schaute in ernste Gesichter.
Der Champion nickte zustimmend, Salis seufzte und rieb sich müde die Schläfen. „Die Wächter suchen und Kaiserin Celene retten. Wo fangen wir bloß an?“
Der Bulle genehmigte sich einen Becher Wein und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab. „Schöne Scheiße. Ist Josephine denn schon in genügend adlige Ärsche gekrochen, um uns Zugang zum Winterpalast zu verschaffen?“
„Der Witz dabei ist doch der, dass wir das Leben der Kaiserin retten wollen, aber nicht in den Palast hinein kommen. Zum Auswachsen“, brummte Varric und schnappte dem Bullen die Weinflasche weg. „Celene hält während eines Balles Friedensgespräche ab. Ziemlich mörderische Sache.“
Hawke beugte sich vor. „Ich mache Euch einen Vorschlag: Stroud und ich gehen in die Westgrate und suchen die Wächter. Das dürfte einige Zeit dauern. Währenddessen könntet Ihr das Mordkomplott durchkreuzen. Gebt uns einige Vorräte mit und Späher, die dort ein Lager errichten.“ Sie streckte die Beine unterm Tisch aus. „Und nun lasst uns einen gemütlichen Abend verbringen. Wer weiß, wann wir wieder so friedlich zusammen sitzen können.“ Sie prostete ihrem alten Freund Varric zu.
Niin berichtete Salis derweil, dass sie roten Templern begegnet waren und zeigte ihr eine ausführliche Karte des Gebietes. „Da werden wir wohl morgen vor der Abreise mal aufräumen müssen.“ Der Bulle witterte wieder einen Kampf.
„Die ganze Gegend um die Mine herum ist voll von diesem roten Zeug.“ Die Stadtelfe wollte seinen Tatendrang dämpfen und der Zwerg pflichtete ihr bei. „Kommt dem Lyrium nicht zu nahe, es treibt jeden in den Wahnsinn und ihr seht ja, was passiert, wenn man es trinkt so wie diese mutierten Templer.“
Cassandra dachte mit Schaudern an Haven, und Varric, der neben ihr saß, schubste sie plump vertraulich an. „So schweigsam, Sucherin?“ Er grinste. „Oder versucht Ihr nur, Euren Akzent zu vertuschen und dieses niedliche Lispeln, das immer dann besonders auftritt, wenn Ihr Euch aufregt?“
Sie hätte ihm am liebsten den Wein ins Gesicht geschüttet, entschied sich aber lieber für einen herzhaften Schluck. „Ich lispele nicht.“ Sie stutzte. Verdammt!
Salis lachte lauthals los. „Ich mag es, wenn Leute mit Akzent reden. Josephine rollt das R immer dann besonders, wenn sie wütend ist. Ich finde das hinreißend.“ Sie gluckste vergnügt vor sich hin.
Niin verabschiedete sich, um nach den Verletzten zu sehen und frühzeitig schlafen zu gehen. Krem hatte sein Bett an das von Harding geschoben und sich, laut Annabelle, eine ganze Weile lang mit der Späherin unterhalten. Dann waren die beiden eingeschlafen, von der Magierin gut behütet. Für die Stadtelfe stand ein weiteres Bett bereit, sie mummelte sich in ihre Decke ein und hing ihren Gedanken nach, die vom Gelächter draußen begleitet wurden. Was wohl Leliana gerade machte?

„Ein traumhafter Abend.“ Die Meisterspionin hob ihr Weinglas und prostete der Botschafterin zu. Die beiden saßen in einer kleinen Taverne in Val Royeaux. Man hatte im Freien einige Tische und Bänke aufgebaut und unter dem klaren Nachthimmel kehrten hier etliche Nachtschwärmer ein, die gerade von einer Feier kamen oder zu einer gingen. Der Platz wurde seitlich von Spalieren begrenzt, an denen sich Rosen hinauf ins Dunkle rankten. Es duftete betörend.
Sie trugen Späheruniformen und unterschieden sich nicht sonderlich von Cullens fünf Soldaten am Nebentisch. Am Morgen waren sie aufgebrochen, nachdem sich etliche Lieferanten geweigert hatten, ihnen angesichts des Chaos in der Feste weiter Kredit zu gewähren. Sie bestanden auf Barzahlung und so mussten die Beraterinnen der Inquisition schnellstens einen Teil des Vermögens, das sie in Orlais Hauptstadt angelegt hatten, flüssig machen. Noch hatten sie dem Adel nicht genügend Gefälligkeiten erwiesen, um mit großzügiger Unterstützung rechnen zu können. Zum Glück hatte Denneth weitere Pferde organisieren können, so dass sie nicht im Ochsenkarren nach Val Royeaux fahren mussten.
Josephine konnte heute bei einigen Händlern vorsprechen und etlichen Mitgliedern hoher Adelshäuser die Hände schütteln. Leliana war wieder einmal erstaunt darüber, wen die Botschafterin alles kannte und hoffte, dass diese kleine Rundreise ausreichen würde, um endlich an den Hof zu gelangen.
Doch noch etwas anderes lag der Spionin am Herzen. „Lass uns nun ein wenig von Deiner Verwandtschaft reden, Josie. Wie sieht es wirklich mit Eurem Vermögen aus?“
Lady Montilyet seufzte schwer. „Ich habe fast alle Güter verkauft bis auf jenes, auf dem meine Familie lebt und drei weitere für meine Geschwister als Aussteuer.“
Leliana schaute sie erschrocken an. „Was tun Deine Brüder eigentlich, um Dich zu unterstützen?“ Langsam kroch Wut über diese himmelschreiende Ignoranz in ihr hoch. „Und Deine Eltern? Von Yvette, Deiner kleinen Schwester, spreche ich lieber nicht. Sie lebt in ihrer eigenen Welt.“
Josephine schwenkte nachdenklich ihr Glas mit antivanischem Rotwein und schaute ihm dabei zu, wie er träge von einer Seite zur anderen schwappte. „Du kennst meine Eltern. Mein Vater ist ebenso ein verkannter Künstler wie meine Schwester und meine Mutter … sie hatte noch nie Überblick über unsere Finanzen. Laurien und Antoine wollen unsere Handelsflotte wieder aufbauen. Mit ihren eigenen Händen. Und ich versuche, in Orlais wieder Fuß zu fassen. Der Handel wurde uns einst wegen Zwistigkeiten verboten.“ Sie kratzte sich fahrig am Kopf. „Alles nicht so einfach.“
Leliana legte ihre Hand auf den Arm der Botschafterin. „Ich mache Dir jetzt einen Vorschlag und ich möchte, dass Du zumindest darüber nachdenkst.“ Nach einer kleinen Pause fuhr sie fort. „Ich verkaufe mein Haus in Denerim und stelle Dir das Gold zur Verfügung. Unbegrenzt.“ Dann lehnte sie sich zurück wartete, bis ihre Worte Wirkung taten.
„Das kann und werde ich niemals annehmen“, protestierte Josephine und schüttelte energisch den Kopf.
„Mein Angebot steht“, sagte Leliana kurz angebunden. Sie kannte ihre Freundin zu gut, aber es war einen Versuch wert gewesen. „Mich hält nichts in Denerim. Nicht nach allem, was dort passiert ist. Das Haus wurde mir netterweise von Alistair kurz nach seiner Krönung für meine Verdienste geschenkt, aber weder ich noch Nari verspüren den Drang, je wieder in diese Stadt zurückzukehren. Im Moment dient es Späher Spatz, Schmooples und Klößchen als Domizil.“ Sie musste lachen, denn der Späher fluchte öfter in Briefen an sie, dass ihre Nug sich überall erleichterte und dies besonders gerne auf den Teppich, den Ihr Justinia einst geschenkt hatte.
„Was hat Dich bloß geritten, Deine Nugs so zu nennen?“ Nun musste auch Josephine lachen.
Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich fand die Namen einfach witzig. So, und nun glaube ich, wir sollten in die Herberge gehen. Mir steigt der Wein langsam zu Kopfe.“
Die Botschafterin nickte zustimmend. Der Tag war recht produktiv verlaufen und mit etwas Glück und einigen Gefälligkeiten konnten sie am Ball im Winterpalast teilnehmen. Sie überquerten den großen Platz, von dem aus alle Straßen abzweigten, als plötzlich ein Pfeil vor ihren Füßen genau zwischen zwei Pflastersteinen im Boden stecken blieb. Leliana und die Soldaten bildeten sofort, mit gezückten Waffen, einen Kreis um Josephine und spähten in die Nacht. Die Botschafterin nahm den Pfeil, an dem eine Nachricht befestigt war. „Jemand warnt uns vor einem Angriff in Val Royeaux. Wir sollen drei weitere Hinweise suchen.“
„Was soll der Mist?“, fluchte Leliana ungehalten.
„Gehen wir auf die Suche? Wie in alten Zeiten?“, fragte Josephine unternehmungslustig.
„WIR gehen nirgendwo hin. Wenn, dann gehen ICH und die Soldaten los.“ Aber nach einiger Überlegung erschien es Leliana sicherer, die Botschafterin bei sich zu haben. Vielleicht war an der Warnung etwas dran?
Es dauerte eine Weile, bis sie alle Hinweise eingesammelt hatten. „So ein Vollidiot. Warum sagt er nicht einfach, was er will?“, murmelte einer der Soldaten.
„Wir sollen zu einem Hof außerhalb der Stadt kommen. Das stinkt doch nach Hinterhalt.“ Die Spionin runzelte die Stirn.
„Wo bleibt Dein Sinn für Abenteuer?“ Josephine schmunzelte.
„Der vergeht mir, wenn ich für Deine Sicherheit sorgen muss, Liebes.“ Leliana überlegte kurz. „Gut, wir sehen uns das mal an.“
Nach einem recht kurzen Fußmarsch, der die Wirkung des Weines wenigstens halbwegs neutralisierte, kamen sie schließlich am Ziel an und öffneten vorsichtig ein eisernes Tor. Die Botschafterin blieb hinter der Mauer stehen und prompt wurden sie von drei Männern attackiert, die schneller von Pfeilen durchsiebt wurden, als man „Guten Abend“ sagen konnte.
Josephine schaute um die Ecke. „Nette Gegend. Und so gastfreundlich.“ Dieses Abenteuer schien ihr zu gefallen. Sie kamen an das nächste Tor und wieder bedeutete Leliana ihr, sich an die schützende Mauer zu drücken. Dann öffnete sie und wich einem Feuerzauber aus. Vor ihr stand ein Mann mit orlaisianischer Maske, dem eine Elfe einen Pfeil in den Kopf schoss.
Die Spionin seufzte entnervt. „Na bravo, jetzt werden wie nie erfahren, was er von uns wollte.“
„He, seid Ihr die Inquisition?“, rief die Elfe aufgekratzt. Alle nickten müde. „Ihr seht nicht so aus, als hättet Ihr was zu sagen. Scheiße!“
„Ich bin Schwester Leliana und das dort drüben ist Botschafterin Montilyet. Reicht das?“ Der Spionin riss gleich der Geduldsfaden und Josephine stellte sich zur Vorsicht neben sie.
„Habt Ihr schon mal was von den Freunden der Roten Jenny gehört?“, ereiferte sich die Elfe.
„Ihr meint, den paar Bekloppten, die überall in Orlais ihr Unwesen treiben?“ Leliana zählte in Gedanken rückwärts um sich zu beruhigen.
„He, wir helfen dem kleinen Mann, wo wir nur können.“
„Und wer seid Ihr?“ Sie war bei Null angekommen.
„Ich bin Sera.“ Die Elfe kicherte.
„Gut, Ihr seid hiermit festgenommen.“ Leliana wies die Soldaten an, Sera die Waffen abzunehmen. „Wir befassen uns in der Himmelsfeste mit Euch.“
„Ich helfe Euch und Ihr kerkert mich ein? Was ist das für ne Scheiße, verdammt nochmal?! He, seid Ihr Kühe überhaupt befugt dazu? Speichelleckende ...“ Ihr entfleuchte noch die ein oder andere Titulierung und Josephine bemerkte verblüfft: „So viele Schimpfwörter habe ich noch nie in einem Satz gehört.“
Sie entschieden sich, gleich zur Himmelsfeste aufzubrechen, denn Sera wollte einfach nicht mit dem Geschrei aufhören. Nachdem sie zwei Stunden durch die Nacht geritten waren, verstummte die Elfe endlich.
„Ah. Kann man sich jetzt vernünftig mit Euch unterhalten?“ Leliana nahm die Papierkugeln, die sie sich in die Ohren gestopft hatte, wieder heraus. Sie saß im Sattel hinter Josephine, da sich niemand zu Sera aufs Pferd setzen wollte.
„Klar doch“, antwortete die Elfe kleinlaut.
„Wer war dieser Mann?“ Der Blick der Nachtigall wirkte einschüchternd.
„Ein scheiß Spion. Sein Diener kam ihm auf die Schliche und erzählte meinen Leuten davon.“ Sera zog die Nase hoch. Offensichtlich hielt sie nicht viel von Manieren und gewählter Ausdrucksweise.
„Euren Leuten?“, selbst Josephine klang ungeduldig.
„Na, der Roten Jenny. Das weiß doch jedes Kind. Wir treten den Adligen in der Arsch, wenn sie dem kleinen Mann was tun.“ Die Elfe knetete nervös ihre Finger. Noch immer waren ihre Handgelenke gefesselt.
„Ihr betreibt also ein Netzwerk von Spionen, die Ihr 'Eure Leute' nennt?“ Leliana musterte sie durchdringend. „Klingt ja gar nicht mal so unnütz. Wie viele seid Ihr?“
„Keine Ahnung. Ich kenn' doch nicht alle.“ Sera blickte die Spionin an, als würde es sich um eine Bildungslücke handeln. „Die Rote Jenny ist halt nur so ein Name, mehr nicht. Hört sich doch gut an, oder?“ Sie lachte wieder und es klang beängstigend nahe am Irrsinn.
Josephine trieb das Pferd etwas schneller voran, um mit Leliana ein paar ungestörte Worte wechseln zu können. „Ganz klar: diese Frau hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“, tuschelte ihr die Spionin ins Ohr. „Aber ihr Netzwerk könnte nützlich sein.“
„So lange sie nur für sich selbst eine Gefahr darstellt.“ Die Botschafterin überlegte einige Minuten. „Gut, dann sollen ihre Leute mal zeigen, was sie können. Rauswerfen können wir sie immer noch.“
Sie spürte einen von Lelianas Fingern, der ihr in die Hüfte pikste. „Sag' mal, hast Du abgenommen?“, feixte die Spionin.
„Wundert Dich das? Erst Dein Frühsport, dann der Marsch durchs Hochgebirge und zuletzt die kargen Mahlzeiten in der Feste“, antwortete Josephine echauffiert.
„Nicht zu vergessen: Salis“, Leliana biss sich auf die Lippen, aber da war ihr diese Bemerkung schon entfleucht. Offensichtlich zeigte der schwere Rotwein immer noch Wirkung.
Die Botschafterin drehte sich zu ihr um und grinste sie an. „Jaaaaaa … Salis hält mich ganz schön auf Trab. Oder ich sie. Das kann man sehen, wie man will. Und Du bist immer noch beschwipst, oder?“
Leliana verzog traurig das Gesicht und legte ihr Kinn auf Josephines Schulter. „Ich vermisse mein Käuzchen.“
Die Botschafterin tätschelte ihr die Wange. „Wir sind ja bald da. Dann legst Du Dich eine Weile hin, nimmst ein kaltes Bad und schon sieht die Welt wieder anders aus. Obwohl das mit dem Hinlegen so eine Sache ist. Gestern Nacht flitzte eine Maus durch unsere Gemächer.“
Die Spionin lachte. „Nari und ich hatten auch eine in der Kammer, aber als wir das Tier in eine Ecke getrieben hatten, konnten wir ihm nichts tun. Wir haben es vor Cassandras Tür ausgesetzt.“ Sie tippte ihrer Freundin auf die Schulter. „Wir brauchen Betten.“
„Die Feldbetten sind auch nicht gerade bequem und außerdem ist Salis dann außerhalb meiner Reichweite. Da schlafe ich doch lieber auf dem Boden“, murrte Josephine.
„Ich hab' welche bestellt“, gluckste Leliana amüsiert. „Große Betten.“
Die Botschafterin drehte sich überrascht um. „Wann hast Du das gemacht?“, fragte sie erstaunt.
„Als Du in der Konditorei verschwunden bist, Du Pralinenmonster. Was hast Du denn gekauft?“ Lelianas neugieriger Blick streifte über die Satteltaschen.
„Feinste Schokolade. Schmilzt auf der Hand.“ In Josephines Stimme schwang Vorfreude mit.
„Die soll doch im Mund schmelzen. Wie willst Du die essen?“ Leliana kratzte sich nachdenklich am Ohr.
Die Botschafterin lachte tief. „Indem ich sie von Salis herunter lecke.“
„Oh, na dann … viel Spaß“, meinte die Spionin leise kichernd.

Gegen Morgen kamen sie in der Himmelsfeste an. Sera hatten sie die Fesseln abgenommen und die Elfe erschrak über die Unordnung, welche überall herrschte. Schon so früh am Morgen waren überall Menschen unterwegs und damit beschäftigt, aus einer Ruine ein Zuhause zu machen.
Cullen begrüßte die Heimkehrer und begutachtete den Neuzugang stirnrunzelnd. „Fragt nicht. Gebt Ihr einfach einen Schlafplatz, der Rest findet sich. Apropos Bett: ich gehe jetzt schlafen. Gute Nacht. Wenn wir später vollzählig sind, können wir eine Besprechung abhalten. Es sei denn, Ihr habt etwas Neues aus Kammwald gehört?“ Lelianas Herz schlug schneller.
Die Worte des Kommandanten beruhigten sie. „Wir haben einen neuen Stützpunkt und ein Großteil der Gruppe ist bereits auf dem Rückweg. Hardings Späher sind zu Pferde mit Hawke und Stroud unterwegs in die Westgrate. Das bedeutet, dass es länger dauern wird bis zur Ankunft, da fast alle in den Ochsenkarren sitzen müssen.“
„Und wie geht es den beiden Verletzten?“, erkundigte sich Josephine besorgt.
„Harding hat kein Fieber mehr, ist jedoch recht schwach. Hauptmann Aclassi geht es dagegen wieder recht gut.“ Cullen verabschiedete sich und überwachte den Ausbau der Taverne. Das Dach war gedeckt und nun wuselten im Inneren Templer und Magier herum, denn je schneller sie arbeiteten, desto schneller konnten sie im Warmen sitzen und schlafen. Die Templer hatten zwar gemurrt, weil sie es nicht als ihre Aufgabe ansahen, sich als Handwerker betätigen zu müssen, aber die meisten sahen schnell ein, dass so schnell wie möglich wetterfeste Unterkünfte nötig waren. Leliana verabschiedete sich von Josephine und stapfte gähnend die Treppen hinauf.

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