„Na, immer noch sauer?“ Es war spät abends und Elion kam aus der Taverne zurück. Seine Freundin war dem Abendessen heute ferngeblieben.
Sera hockte mit angezogenen Beinen auf ihrem Bett und zog einen Schmollmund. „Das war peinlich.“
Er ging vor ihr in die Hocke. „Und warum zeigst Du dann allen Deinen Hintern?“
„Nicht meinen Hintern!“, rief sie empört. „Den kann jeder sehen, aber nicht mein Allerheiligstes.“
Er überlegte einen Moment lang, dann dämmerte ihm, was die aufgebrachte Elfe meinte und er grinste. „Komm schon, ist doch nicht so tragisch.“ Er griff nach ihrer Hand. „Ich habe auch versucht, wegzugucken.“
„Andraste! Ich bin Dir fast ins Gesicht gesprungen.“
Elion lachte und meinte keck: „Darfst Du jederzeit.“ Er stand auf und ging in den Vorraum, um sich für die Nacht fertig zu machen.
„Sag bloß, das würde Dir gefallen?“
Er schaute um die Ecke. „Dir nicht?“ Dann widmete er sich wieder dem Waschbecken. „Sera? Bist Du noch da?“ Er zog die Unterhose aus und langte nach seinem Schlafanzugunterteil.
„Ja, ich bin noch da“, murrte die Elfe. „Und ja, es würde mir gefallen. Zufrieden?“
Er knöpfte sich im Gehen das Oberteil zu und zog sie dann zu sich. „Schön, dass wir uns einig sind.“ Elion nahm ihr Gesicht in seine Hände, streichelte ihre Wangen mit den Daumen und berührte ihre Lippen sachte mit den seinen. Ein gehauchter Kuss nur, aber er wollte ihre Reaktion darauf sehen.
Seras Augen glänzten und das Kaminfeuer spiegelte sich darin. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und forderte ihn erneut zu einem Kuss auf, als ihre Lippen sein Kinn entlangfuhren. Dann löste sie die Umarmung wieder. „Erwarte bitte nicht zu viel auf einmal.“ Und plötzlich war Angst in ihren Augen. Er fasste sie wieder an der Hand, führte sie zu seinem Bett und sie hüllten sich gemeinsam in die warme Wolldecke ein. „Gute Nacht, ma vhenan.“
„Was heißt das?“
„Mein Herz.“
„Schlaf schön, Honigkeks.“ Sie küsste sein linkes Ohr.


***

„Was hat Euch alle eigentlich gebissen, so einen Aufmarsch zu machen?“ Cassandra setzte sich neben Nadira auf das Bett und bemühte sich um eine ernste Miene, was ihr nicht so ganz gelang.
Ihre Freundin durchschaute es, denn sie grinste die Sucherin keck an. „Ich wusste doch nicht, dass Sera ihren Hintern aus dem Schlitten hält.“ Sie kicherte verhalten und Cassandra mit ihr, dann schauten sie sich an und prusteten lachend los. Nach einigen Minuten hielten sie sich die Bäuche und wischten sich die Tränen aus den Augen.
„Ich weiß nicht, wann ich je so einen Spaß gehabt hätte.“ Das Herz der Sucherin begann wieder schneller zu schlagen, als Nadira ihr den Kopf zudrehte und sie anblickte. Sie strich der Qunari die übliche störrische Haarsträhne aus der Stirn, welche sich nur allzu gerne bei zu schnellen Bewegungen des Kopfes selbstständig machte und das Lächeln ihrer Freundin sorgte für ein warmes Gefühl in der Bauchgegend. Sie stand seufzend auf. „Dira?“ Die Angesprochene schaute fragend zu ihr hoch und Cassandra zog die Decke ihres Bettes zurück, darunter kam ein längliches Paket zum Vorschein, welches sie ungeduldig öffnete. „Das ist für Dich.“ Etwas mulmig war ihr bei diesem Geschenk schon. Gefiel es der Qunari?
Nadira beugte sich neugierig darüber und zum Vorschein kam ein Magierstab. Zumindest einen Teil davon, wie sie verwundert feststellte. „Was ist das?“ Ihre Finger glitten über das glatte Metall.
„Es ist nicht nur ein Magierstab, sondern auch eine Waffe.“ Cassandra zog die andere Hälfte aus der Verpackung und zeigte ihr, wie man den Stab mit nur einer leichten Drehung zusammensetzen konnte. „Varric ließ seine Kontakte zur Schmiedekaste in Orzammar spielen.“ Sie trennte die Teile wieder voneinander und hielt sie vor sich, auf den Zelteingang gerichtet. Beide Daumen betätigten einen Druckschalter und zwei Klingen sprangen heraus.
Nadira betrachtete die Waffe ehrfürchtig und traute sich kaum, sie in die Hände zu nehmen. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Sie blickte die Sucherin verblüfft an. „Sie ist … wunderbar. Sie liegt gut in der Hand, fühlt sich massiv an und ist doch nicht zu schwer.“ Vorsichtig legte sie die beiden Hälften auf ihr Bett und zog Cassandra dann so ungestüm an sich, dass dieser fast die Luft wegblieb. „Danke.“
Die Sucherin nuschelte ein: „Gern geschehen“, zwischen Nadiras Brüste und fühlte sich in jenem Moment wie eine Puppe, welche von einem großen Kind gedrückt wurde. Der unmittelbare Aufenthalt an den Rundungen der Qunari bescherte ihr verwirrende Gefühle, schon gar bei der Vorstellung, wie es sich anfühlen würde, wenn der Kleidungsstoff nicht störend dazwischen geriet. Sie japste nach Luft und trat einen Schritt zurück.
„Geht es Dir gut?“
Nadira fasste nach ihrer Schulter und Cassandra stotterte: „Ja … alles in Ordnung … in bester … ich …“ Ihr verschlug es die Sprache und einen Moment lang hatte sie den Eindruck, dass ihr gleich schwarz vor Augen werden würde und nicht nur sie. Nadira räumte die Verpackung vom Bett und bugsiert die Sucherin sanft, aber bestimmt, auf ihren Sitzplatz. „Soll ich einen Heiler holen?“
Wie ein Häufchen Elend saß Cassandra vor ihr und ließ die Schultern hängen. „Ich glaube nicht, dass es dafür einen Trank gibt.“
„Wofür?“ Dass Nadira nun neben ihr Platz nahm, machte die Sache nicht besser und sie spürte, wie sie die Kontrolle verlor. „Bist Du krank?“, fragte die Qunari leise und ängstlich.
„Nein!“, rief die Sucherin schnell und in ihrem Gesicht spiegelte sich die pure Verzweiflung wider. „Es ist nur so ...“ Wieder suchte sie nach Worten. „Deine Nähe ...“
Nadira schluckte. „Soll ich gehen?“
Diesmal schrie Cassandra fast das „Nein!“ hinaus. Sie fasste mit beiden Händen nach dem Gesicht der Qunari und da sie wenigstens im Sitzen fast gleich groß waren, berührte sie die Stirn der anderen mit der ihren. „Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich muss ständig an Dich denken“, flüsterte sie und spürte Nadiras Atem auf ihrem Mund. So verlockend nah und die Qunari machte keine Anstalten, sich der Berührung zu entziehen. „Du bist mehr als nur eine Freundin für mich, Dira.“ Sie schaute ihr in die Augen und bemerkte erfreut, wie sich ein liebevolles Lächeln in das Gesicht der Saarebas stahl, aus dem ein breites Grinsen wurde.
„Und das wolltest Du mir die ganze Zeit sagen?“ Nadiras Hände fasste nach den ihren, streichelten über Handrücken und Unterarme, aber als Cassandras Lippen ihrem Mund näher kamen, schob sie die Sucherin plötzlich weg. „Sera meinte, dass man davon schwanger werden kann.“
„Oh, bring' dieses kleine Luder um!“ Die schwarzhaarige Frau aus Nevarra gab einen Stoßseufzer von sich und nahm sich vor, Leliana gleich morgen früh zu fragen, wie sie und Josephine ihren Sohn aufgeklärt hatten. Vielleicht besaßen sie sogar noch einige Bücher? Sie gab Nadira einen Gutenachtkuss auf die Wange. „Es ist schon spät. Lass uns morgen darüber reden, ja?“
Die Qunari nickte, wirkte einen Moment lang etwas unschlüssig und revanchierte sich mit einem zaghaften Kuss auf die Stirn ihrer Freundin, woraufhin Cassandra erneut innerlich in Flammen stand. Nadira legte ihren Magierstab sorgsam in die mitgelieferte Holzkiste und suchte nach einem geeigneten Platz dafür, bis sie an ihrem Kopfende fündig wurde. Als sie sich umzog, riskierte die Sucherin den ein oder anderen Blick und stellte wieder einmal fest, dass Nadira ein ausgesprochen wohlgeformtes Hinterteil hatte. „Stimmt was nicht?“
Cassandra zuckte ertappt zusammen. „Nein, alles in Ordnung.“ Dass sich die Qunari nun nackt um ihre eigene Achse drehte, machte es auch nicht besser und die Nevarranerin wühlte fieberhaft in ihren Sachen, um sich abzulenken. Nadira lag schon im Bett, als Cassandra ihre Stiefel auszog, den Brustpanzer auf einen Schemel legte und damit begann, ihr Hemd auszuziehen. Sie drehte ihrer Freundin verschämt den Rücken zu.
„Warum seid Ihr Menschen eigentlich so prüde?“, kam es vom anderen Bett her und die Sucherin drehte sich überrascht herum.
„Sind wir nicht. Na ja, die meisten nicht.“ Sie blieb demonstrativ vor Nadira stehen, zog Hemd und Hose aus, bis sie in der Unterwäsche im Zelt stand. Die Qunari schien den Anblick zu genießen, denn sie hatte sich das Kopfkissen unters Kinn geschoben und schaute aufmerksam zu, ein Schmunzeln auf den Lippen. Als Cassandra die letzten Hüllen fallen ließ, hob Nadira den Kopf und hielt den Atem an. Betont langsam griff die Sucherin nach ihren Schlafsachen und musste lauthals loslachen, weil ihre Freundin diese Verhüllung mit einem „Schade“ kommentierte.
Schließlich schob sie ihre Schlafstatt an das Bett der Qunari heran, legte sich so nahe an den Rand wie es das Feldbett zuließ. Nadira tat es ihr gleich. „Träum was Schönes, Dira.“ Wieder küsste sie die Wange der anderen und tastete nach deren Hand.  
„Gute Nacht, Cass.“ Die Qunari machte sich lang und löschte die Kerze auf dem kleinen Nachttisch mit der freien Hand.


***

Leliana lag auf der Lauer und mit ihr mehrere Dutzend Späher und Soldaten. Es war bereits nach Mitternacht, als sie den Ruf einer Eule hörte. Es war Hardings Signal, die sich außerhalb der Befestigung nahe des Zeltplatzes versteckt hielt. Diese Kerle dachten also, zweimal hintereinander in Haven herumschleichen zu können? Die Meisterspionin duckte sich hinter einigen Kisten, die sie neben dem Haupttor drapiert hatten.
Die Nacht war wolkenlos und der Mondschein tauchte die Szenerie in ein fahles blaues Licht. Der Neuschnee knirschte unter den Schritten mehrerer Personen, die über den gefrorenen See gekommen waren und sich nun in Höhe von Cassandras Zelt befanden. Dort standen wieder einige Vorratskisten, welche die Männer in Templerrüstungen eilig mit dem Schwert öffneten, wobei einer von ihnen Wache hielt und sich stetig umsah. Sie wühlten erneut Decken hervor und verstauten diese in Leinensäcken, wie sie Soldaten für ihre Ausrüstung benutzten.
Die Vier durchschritten das Haupttor, fühlten sich offensichtlich unbeobachtet und liefen hoch zur Taverne, nicht ahnend, dass ihnen Leliana und ihre Leute lautlos folgten. Die Späher verstanden ihr Handwerk und auf ein Zeichen würden Cullens Soldaten aus den Hütten kommen. Noch ließ sie die vier gewähren, denn sie wollte wissen, wohin sie gingen. Umso erstaunter war sie, als sie erkannte, dass die Diebe sich durch die Mülltonnen der Taverne wühlten, um dort nach Essbarem zu suchen, das sie schnell wegpackten.
Sie gab hob die Hand und rief: „Gebt Euch zu erkennen!“ Sofort wurden überall die Türen zu den Hütten aufgestoßen, die Späher rannten aus ihren Verstecken und umkreisten die Diebe, welche augenblicklich ihre Waffen fallen ließen.
„Nein! Wartet!“, rief einer von ihnen. „Wir sind Templer!“
Sie näherte sich ihm mit den Bewegungen einer Raubkatze und er trat in den Schein einer Fackel, damit sie sein Gesicht betrachten konnte. Er war dunkelhäutig und hatte einen kahlrasierten Schädel. „Ich bin Delrin Barris und das sind meine Kameraden.“
„Barris?“ Eine von Cullens Templern trat hervor und musterte ihn eingehend, dann drehte sie sich zu Leliana um. „Er sagt die Wahrheit. Ich habe ihn ein paar Mal gesehen.“
„Kommt, wir gehen in die Taverne“, schlug die Meisterspionin vor, als er zu schwanken anfing und von einem seiner Kameraden gestützt werden musste. „Seid Ihr noch mehr?“
„Nein, wir sind die einzigen, die entkommen konnten.“
„Entkommen?“ Sie starrte ihn ungläubig an.
„Aus Therinfalls Schanze.“ Er schien Schmerzen zu haben und krümmte sich.
„Harding?“ Leliana drehte sich suchend um, aber da stand die Zwergin auch schon hinter ihr und schlug die Hacken zusammen. „Holt einen Heiler, werft den Herold aus seinem Bett und die Berater ebenfalls.“

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