Sera hatte die ganze Zeit versucht den fremden Magier, welcher sich auf dem Ochsenkarren durchschaukeln ließ, zu ignorieren. Während eines kurzen Halts an der Wegkreuzung behandelte ein Heiler die Verletzungen und nun schien es dem Tevinteraner schon besser zu gehen. Er hob den Kopf und schaute die Stadtelfe neugierig an, wobei Sera für sich entschied, dass er wie ein eitler Gockel aussah. Das schwarze Haar vorne zu einer Tolle hochgekämmt und der Knebelbart wackelte beim Reden. Gekleidet war Dorian in eine Art Lederrüstung, die an den Gelenken mit Stahl verstärkt war, darüber trug er einen dunkelblauen Umhang.
Elion betrachtete das Haus der Hardings und hätte ein wesentlich niedrigeres Gebäude erwartet, schließlich kamen Zwerge mit einer geringeren Deckenhöhe aus, aber das Ehepaar wohnte in einem der für die Gegend typischen Haus, an welchem ein Stall angebaut worden war. Genau aus diesem traten nun die Eltern der Späherin ins Freie, gefolgt von einem Rudel kläffender Mabari Welpen, welche quirlig um ihre Füße herumsprangen.
Der Dalish Elf stellte seine Begleiter vor, während er Fen im Auge behielt, der sich auf Freiersfüßen befand. Ein Pfiff und der Rüde setzte sich brav neben sein Herrchen. Hardings Eltern waren in erster Linie Schafzüchter, aber ihre Mabarizucht war in den Hinterlanden recht bekannt, wie Varric erfuhr, als sie ins Haus gebeten wurden und sich an einen langen Esstisch setzten, wobei die tieferen Stühle den Menschen leicht zu schaffen machten. Der Zwerg stellte dies nicht ohne Genugtuung fest, da es ihm sonst mit den Stühlen nicht anders ging. Immer musste er einen leichten Sprung nach hinten machen, damit er sich setzen konnte.
Dorian langte beim essen herzhaft zu, offensichtlich hatte er schon länger im Verborgenen ausharren müssen und ihm waren die Vorräte ausgegangen. Elion beobachtete die Hardings und verglich sie mit dem Aussehen der Späherin. Ohne Zweifel hatte diese ihre roten Haare vom Vater, der seinen Bart, ganz in der Tradition der Zwerge, zu mehreren Zöpfen geflochten hatte. Er stand nach dem Essen auf und kam mit einem Welpen zurück, der fröhlich wedelte, als Elion ihn auf den Schoß nahm. Es war jenes Tier, welches Cassandra für Cullen ausgesucht hatte und das nun alt genug war, um mit auf die Reise nach Haven zu gehen.
Das Fell des Mabari war wesentlich heller als Fens und eine der Pfoten war weiß, ebenso wie der Kreis um das linke Auge herum. Sera knuddelte den Kleinen ordentlich durch und es würde schwer sein, ihn ihr wieder wegzunehmen. Fen ließ den Spieltrieb seelenruhig über sich ergehen, als der Welpe auf ihm herumkletterte und anbellte. Elion war erleichtert über das Verhalten seines Hundes, denn schließlich würden sich die beiden jeden Tag begegnen und Mutter Harding riet ihnen sogar dazu, denn so lernte der Jüngere, wie sich ein Mabari zu benehmen hatte.
Die Nacht verbrachten die Freunde in einem Gästezimmer, in welchem es zwar eng zuging durch den zusätzlichen Gast, aber sie waren es gewohnt und die Gastfreundschaft der Hardings rührte sie  zutiefst.

Cassandras Tag lief gemächlich an, nachdem Elion und die anderen abgereist waren. Sie schaute nach Nadira, die gerade aufgewacht war und amüsierte sich darüber, dass die Qunari sich brummend das Kissen aufs Gesicht legte, wie vorhin der Dalish, um noch ein wenig vor sich hinzudösen. „Aufstehen, Schlafmütze!“ Die Sucherin packte das Kissen und setzte Nadira dem unbarmherzigen Tageslicht aus, was diese mit einem giftigen Blinzeln quittierte. „Wie wäre es mit einem Frühstück?“
Das half und die Saarebas schwang sich vorsichtig aus dem Bett, immer darauf bedacht, keine allzu hastigen Bewegungen zu machen, die ihr Schmerzen bereiten könnten. Nadira stand auf und zog sich aus, woraufhin Cassandra sie konsterniert anschaute. Offensichtlich kannte die Qunari kein Schamgefühl, denn sie suchte nackt und in aller Ruhe nach ihren Anziehsachen. Die Sucherin nahm sich vor, demnächst einmal ein Wörtchen darüber zu verlieren. Derweil schaute sie dezent in Richtung Zeltwand und räusperte sich verlegen.
In der Taverne trafen sie auf Vivienne, die sich dort selten blicken ließ, aber wie sich herausstellte, hatte die Magierin auf sie gewartet. „Ich muss mit Euch reden. Mit beiden“, kam sie gleich zum Punkt und dass sich nun auch Leliana und Cullen einfanden, beunruhigte sie zutiefst. Trotzdem frühstückten sie in aller Ruhe fertig, aber die Sucherin bemerkte, wie Nadiras Blick nervös zwischen den am Tisch Sitzenden hin und her sprang.
Schließlich begaben sie sich alle auf den Übungsplatz vor den Palisaden und gingen noch ein Stückchen weiter den Hauptweg entlang, bis sie zu einer abgelegenen Stelle gelangten, die vom Haupttor aus nicht einsehbar war. „Raus mit der Sprache! Was ist los?“, polterte Cassandra heraus.
„Zunächst würde ich die Saarebas bitten, uns ihre Magie vorzuführen“, sprach Vivienne in leisem Tonfall.
„Was soll ich tun?“ Nadira war anzusehen, dass sie sich äußerst unwohl fühlte.
„Erschafft eine Wand, ob aus Feuer oder Eis bleibt Euch überlassen.“
Die Qunari tat, worum man sie bat und mit einer einzigen Handbewegung baute sich vor ihnen ein Flammenmeer auf. „Seid Ihr jetzt zufrieden?“ Sie zuckte mit den Schultern und schickte einen Kältezauber hinterher, um das Feuer zu löschen.
„Erstaunlich. Ihr braucht nicht einmal einen Magierstab, um Eure Kräfte zu fokussieren.“ Die dunkelhäutige Magierin aus Orlais schaute mit vor der Brust verschränkten Armen zu, wie die letzten Flammen vom Eis vertilgt wurden.
„Ich hatte nie einen“, brummte Nadira missgestimmt.
Vivienne wandte sich nun an Cassandra. „Nun, da die Saarebas Magie gewirkt hat, sagt mir, was Ihr spürt, Lady Pentaghast.“
„Was sollte ich denn spüren?“ Die Sucherin zuckte ratlos mit den Schultern.
„Eben. Genau das ist der springende Punkt, auf den ich hinaus will. Weder Ihr noch ein Templer kann die Saarebas kontrollieren.“ Leliana und Cullen wurden hellhörig. Vivienne fuhr fort. „Die Qunari fürchten ihre Magier so sehr, dass sie ihnen nicht auch noch Lyrium einflößen würden, um diese Magier zu verstärken. Ihr wisst, was das bedeutet?“, sprach sie zu den beiden.
„Dass wir ein Problem haben, wenn sie für uns zur Gefahr wird?“ Der Meisterspionin entging nicht die kleinste Regung ihrer guten Freundin, aber statt Cassandra antwortete nun Nadira.
„Ihr glaubt also, ich würde Haven in einen Schutthaufen verwandeln?“ Sie schnaubte wütend. „Und mich so dafür bedanken, dass man mein Leben gerettet hat? Was denkt Ihr eigentlich von mir? Dass ich eine Wilde bin?“
„Sie ist keine Gefahr“, nahm die Sucherin die Qunari in Schutz. „Wir schlafen in einem Zelt. Wenn Nadira wollte, wäre sie längst geflohen.“
„Sie ist von diesem Qunari Schiff gefallen. Woher wissen wir, dass sie nicht immer noch dem Qun folgt?“ Cullen bereitete dieser Gedanke zunehmend Magenverstimmungen, zumal er ja im Zelt nebenan schlief, aber dann sagte Nadira etwas Eigenartiges.
„Ich bin nicht gefallen, sondern gesprungen.“ Alle starrten sie irritiert an und niemand bemerkte den Bullen, der sich ungesehen hinter sie stellte. Er folgte ihnen, als er sah, dass sie mit der Saarebas um eine Wegbiegung verschwunden waren. „Wir kamen von Seheron.“
„Scheiße!“, entfuhr es dem Eisernen Bullen. Leliana und die anderen fuhren erschrocken herum. „Ich weiß, wie es dort zugeht. Die Insel ist ein einziger riesiger Misthaufen. Überall Vints und Nebenkrieger. Sie reißen einem den Arsch auf und das krempelt einen um. Für immer.“ Sein Misstrauen der Saarebas gegenüber wich einer gewissen Sympathie. Sie hatte das gleiche durchgemacht wie er und sie wollte danach offensichtlich fliehen.
„Als wir zu Nadira geschwommen sind und die Haie kamen, wollte sie uns wegschicken.“ In Cassandra stieg langsam Verärgerung hoch. Viele Mitglieder der Inquisition hatte man ohne lang zu fragen aufgenommen, ihren Schützling aber verhörte man regelrecht.
„Ihr seid für sie verantwortlich, Sucherin.“ Vivienne fand es ebenfalls unnötig, sich noch länger mit der Saarebas zu befassen. Diese hatte eben bewiesen, dass sie ihre Magie beherrschte, zumal der Aufenthalt auf Seheron ein weiteres Indiz für Nadiras herausragende Fähigkeiten war.
„Nun gut, ich hoffe, Du weißt, was Du tust.“ Leliana schien weniger überzeugt zu sein. Sie gingen gemeinsam wieder zurück zum Übungsplatz und Cullen trieb die Rekruten erneut zu Höchstleistungen an, während die Meisterspionin sich wieder den Nachrichten ihrer Späher widmete und Vivienne hatte es sich angewöhnt, gegen Mittag ein wenig Ruhe zu suchen.

Cassandra und Nadira stellten sich an den zugefrorenen See. Die Sucherin sah der Saarebas an, dass diese aufgewühlt war. „Nimm es Dir nicht so zu Herzen. Cullen und Leliana tun nur ihre Pflicht.“
Nadira blickte sie traurig an. „Glaubst Du auch, dass ich eine Gefahr wäre?“
„Nein“, kam die entschlossene Antwort.
Die Qunari lächelte vorsichtig. „Danke.“ Sie schaute auf das Eis. „Es ist so glatt, ich habe davon gelesen.“
Cassandra zog sie lachend auf den zugefrorenen See und Nadira watschelte wie eine Ente hinterher. „Wenn Du nicht aufpasst, landest Du auf Deinem Hinterteil.“
Nadira bückte sich und klopfte auf das Eis. „Kalt und seltsam.“
„Im Grunde nur gefrorenes Wasser und man sollte aufpassen, dass das Eis dick genug ist, bevor man sich darauf wagt, sonst bricht man ein und ertrinkt.“
„Einbrechen?!“ Nadira machte einen Satz auf Cassandra zu und noch ehe diese wusste, wie ihr geschah, klammerte sich die Qunari so panisch an ihr fest, dass es der Sucherin fast die Atemluft raubte.
An Land standen Harding und Cullen zusammen und rätselten, was auf dem Eis vor sich ging. Der Kommandant wollte schon hineilen, aber die Späherin hielt ihn zurück. „Nadira wäre fast ertrunken. Sie muss eine wahnsinnige Angst vor Wasser haben.“
Das gleiche sagte sich auch Cassandra, die versuchte, sich aus der Umarmung der Qunari zu befreien. „Dira, lasch losch“, nuschelte sie hervor, das Gesicht zwischen Nadiras Brüste gepresst. Was hatte Sera gesagt? Gut bestückt? Sie hatte ja keine Ahnung wie gut!
Endlich lockerte die Qunari ihren Griff und die Sucherin rang japsend nach Atem. Sie nahm Nadiras Hand und führte sie vorsichtig vom Eis. „Erinnere mich daran, dass ich Dir das Schwimmen beibringe, wenn wir wieder einmal am Calenhad See vorbeikommen.“ Cassandra schüttelte lachend den Kopf, denn die Qunari schaute sie entsetzt an. „Und Varric kann uns gerne dabei Gesellschaft leisten.“

Joomla templates by a4joomla