Was macht einen Helden überhaupt aus?
Er wird mit einem Problem konfrontiert, vor dem er nicht davonläuft. Da kristallisieren sich für mich mehrere Heldentypen heraus:

1. Der Strahlemann
Er ist zu Heldentaten geboren, jederzeit Herr der Situation, Retter von Witwen, Waisen und Jungfrauen. Der Bösewicht hat gegen ihn keine Chance, auch wenn es anfangs anders aussehen mag. Er ist … stinklangweilig und leider Hauptfigur sehr vieler Erzählungen. Wenn man nicht höllisch aufpasst, wirkt er eindimensional und der Leser fühlt sich eher abgestoßen, weil er sich nicht mit ihm identifizieren kann. Er braucht eine Macke und evtl. das Scheitern, denn wenn er erst einmal so richtig auf der Schnauze landet, macht ihn das menschlich und sympathisch.

2. Der Normalo
Er hingegen bietet viel Raum für Identifikation. Er ist ein Mensch wie jeder von uns, der vielleicht erst durch eine Notsituation über sich hinauswächst. Nehmen wir an, sein Land wird von einer feindlichen Macht überrannt, seine Ehefrau entführt oder er stürzt über dem Dschungel mit dem Flugzeug ab. Er wird mit einer neuen Situation konfrontiert, an welcher er nicht scheitert. Er tut, was nötig ist.

3. Held wider Willen
Er ist vielleicht dem Normalo ähnlich, sich aber stets selbst im Wege, weil er sein Schicksal nicht annehmen möchte und sich dauernd fragt, womit er das verdient hat. Er hat viele Schwächen und das kann ihn entweder zum liebenswerten Kerl machen, dem man alles Glück der Erde wünscht, oder zum jammernden Waschlappen.

4. Der ehemalige Fiesling
Zugegeben, ein sehr reizvolles Thema. Ein Held, der einst der Gegner eines anderen Helden war, vielleicht der des Strahlemannes? Welche Umstände lassen ihn nun anders handeln? Was ändert seine Meinung? Liebe? Einsicht? Verlust? Wiedergutmachung? Reue? So viele Möglichkeiten erschließen sich hier, um einen Helden mit außerordentlichem Tiefgang zu schaffen. Er ist eine ernste Konkurrenz für alle anderen Heldentypen.
Mir fällt zum ehemaligen Fiesling die Hauptfigur aus "Ich, einfach unverbesserlich" ein. Ein Stinkstiefel von einem Eigenbrötler, der durch Waisenkinder langsam aufweicht. Da ist der Wandel sehr gut nachvollziehbar.

5. Der Anti-Held
Laut Definition ist dieser Held zum Scheitern verurteilt und damit eine eher tragische Figur. Der strahlende Held zieht an ihm vorbei ins Finale und bekommt die Prinzessin. Eigentlich ist der Antiheld das genaue Gegenteil des Strahlemannes. Vielleicht ein Soziopath, ein Außenseiter, der seine Ideale verloren hat.

6. Der unabsichtlich Gute
Solche Helden wollen Böses, das sich dann aber gegen ihren Willen oder ihre Absichten zum Guten wandelt. Was danach daraus wird? Vielleicht finden sie daran Geschmack, vielleicht war es ein einmaliges "Versehen"?

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