Letztendlich bilden sich bei mir zwei Arten von Bösewichten heraus, welche sich zum Antagonisten eignen:

a. die abstrakte Bedrohung
Ich erkenne das Potential, einen Feind zu abstrahieren, indem man dem Leser weder das Aussehen beschreibt, noch diesem Gegner ein Eigenleben oder eine Geschichte gibt. Man macht ihn unsichtbar und er könnte alles Mögliche sein, seine Armeen verwüsten Länder und seine Macht lässt selbst die Götter erzittern.
Das funktioniert, solange man nicht den Vorhang hebt. Hat man dieses vor, sollte man damit sehr vorsichtig umgehen, sonst wird es schnell lächerlich.

Stephen King arbeitet wirklich gerne mit der unsichtbaren Macht. Mir fällt jetzt spontan "Der Nachtflieger" ein.

Ein Negativbeispiel für mich wäre der Trash Horrorfilm "Dog Soldiers". Wirklich gruselig gemacht, mit dem ein oder anderen genialen Schockmoment, bis man ... die Werwölfe sieht. Zu groß geratene Osterhasen und damit ist die Wirkung des Filmes dahin. Versteht mich nicht falsch, ich liebe diesen Film, aber eben mit kleinen Abstrichen.

Gut, mit so etwas kann man auch absichtlich arbeiten. Stellt Euch vor, eine Welt wird bedroht, ein Land nach dem anderen überrannt, alle zittern vor dem großen Feind und dessen Macht. Die Helden machen sich auf die Socken und begegnen ihrem Widersacher, der sich zu erkennen gibt. Er ist ein sprechender Geißbock.

b. der Antagonist mit Geschichte
Gewisse Umstände lassen ihn so agieren. Vielleicht aufgrund einer tragischen Geschichte? Er hat etwas erlebt, das ihn veränderte.
Und ja, vielleicht war er früher selbst der strahlende Held.

Ich für meinen Teil versuche in meiner gerade erst begonnen Fantasy Buchreihe Folgendes:
Ich habe einen recht symaptischen Charakter, der unter dem Einfluss einer unbekannten Macht seine Familie abschlachtet. Nur seine Schwester kann entkommen.
Diese Macht nun ist ein ehemaliger Magier/Mensch. Ich gehe den umgekehrten Weg und fange an, diesen zuerst greifbaren Charakter zu abstrahieren. Er WAR einst ein Mensch, der aus Rache handelte, er hat eine Geschichte und zu einem gewissen Teil kann man nachvollziehen, was ihn so handeln lässt.
Mal gucken, ob es klappt.
Der ehemals Gute hat seine wachen Momente, in denen ihm bewusst wird, was er getan hat, als er unter dem Einfluss stand.
Genauso hat der Böse seine Momente, in denen ihm seine größte Schwäche zum Verhängnis wird.

Mir kommen da gleich einige Antagonisten in den Sinn, die den Helden erst einmal ewig lange erklären, warum sie so sind, wie sie sind. Muss das sein? Geht es auch anders? Braucht ein gottgleicher Bösewicht wirklich Claqueure, außer er leidet an einem Komplex? Vielleicht nicht genug Liebe von Mama bekommen, oder er muss etwas kompensieren?

Meinem Bösewicht ist es egal, ob ihn jemand anbetet oder nicht. Ihm geht es einzig alleine darum, die Menschheit zu vernichten, weil sie seiner Meinung nach zu unvollkommen ist und die Art, wie sie mit einigen Teilen der Bevölkerung umgeht, gibt ihm auch noch recht. Das macht ihn unberechenbar, denn man kann weder mit ihm verhandeln, noch seine Eitelkeit nutzen. Er scheint gerade dadurch übermächtig und die Menschen mit ihrer Fehlbarkeit hoffnungslos unterlegen.

Joomla templates by a4joomla